Montag, April 30, 2012

Weggehn bedeutet nicht unbedingt, irgendwo anders dann anzukommen

I survived Prag! Ganz ohne von irgendwelchen Folterknechten gefoltert zu werden oder diverse Organe geklaut zu bekommen ("Eines Tages wachst du in einer Badewanne voller Eis auf!")
Es waren 4 1/2 tolle Tage voller Sonne. Und das im düsteren, grauen Osten. Sogar einen Sonnenbrand habe ich (als einzige von 103 Leuten!) mitgenommen.  
Diese Fahrt mit meinen vielen DRK-Fsj-Kollegen hat es geschafft, sämtliche Vorurteile gegenüber dem Osten und diversen Mitmenschen zu zerstören. 
Ich habe fünf Tage durchgängig mit drei anderen Leuten schwitzer-deutsch geredet - der Rest der Mitfahrer war schon am ersten Tag nach wenigen Stunden total genervt. Ich habe vier Nächte lang durchgefeiert. Ab einer gewissen Uhrzeit auch an der Hotelbar mit sämtlichen Betreuern. Ich habe mit neuem Kumpel eine ganze Nacht mit einem angehenden, ehemals Grasanbauendem, katholischen Priester über das Leben und die Dekadenz der Kirche geredet. 
Alles an in allem hat es sich wohl gelohnt. 



Ungefähr 2/3 meiner Fotos bestehen aus Häuserfassaden aus der Prager Altstadt. Sie sind einfach wunderschön und stehen dabei im krassen Gegensatz zu den tausenden Plattenbauten etwas außerhalb der Stadt. Es ist krank, wie die Stadt so viele Häuser und Stadtteile verwahrlosen lässt und dabei eine so prächtig ausgestattete Kirche hat. Mit all dem Gold und Silber könnte man so viel besseres anstellen. Und ich könnte mich schon wieder aufregen.
Fast genauso krank sind einige Gräber auf dem neuen Friedhof. Einige sind größer als mein Bett und ausgestattet mit riesigen Engelsstatuen und Kreuzen. Im krassen Gegensatz dazu diesmal der jüdische Friedhof direkt angrenzend. Einfache Gräber mit Efeu überwuchert. Im Vornherein war mein einziger Anreiz nach Prag zu fahren, das Grab Franz Kafkas zu besuchen. Stand natürlich nicht auf dem Programm und so habe ich mich mit einigen Leuten alleine auf die Suche danach begeben. Dabei trafen wir überraschend viele deutschsprechende ältere Herrschaften. Und irgendwann haben wir es tatsächlich geschafft - eine halbe Stunde nach Besuchsschluss. Ganz toll.

Und wohin man sieht, Stände mit Glühwein im Angebot. Ende April. Bei Temperaturen von um die 25°C. Großes Kino.

Gekauft wurden echte Brillen vom Schwarzmarkt.
Der Schwarzmarkt war das Beste. Jeder der 500 Stände hatte einfach das gleiche Angebot - bestehend aus Tshirts, Sonnenbrillen und Waffen. Nice.






Aus meiner eigenen Seminargruppe fuhren etwa zehn Leute mit. Bei einigen war ich mir im Vornherein nicht sicher, wie die Fahrt mit ihnen werden würde. Hätte man mir beim letzten Seminartreffen erzählt, dass ich in 1 1/2 Wochen neben dem 16-jährigen Mädchen mit dem komischen Namen im Bus sitzen und mich total gut unterhalten würde, hätte ich es vermutlich nicht geglaubt. Es ist witzig, wie viel Zeit man mit Vorurteilen verbringt, weil jemand beim Schreiben auf Facebook grundsätzlich q's statt g's verwendet und Duckface-Spiegel-Bilder von sich postet. Und dann sitzt man plötzlich zusammen und sowas ist dann nicht mehr wichtig. Wieder einmal was fürs Leben gelernt.

Kommentare:

  1. Und ich sag noch, Pocket full of Sunshine! Schön, daß du überlebt hast. ;)

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  2. April im Glühwein. ich find's gut.

    Ein Grund mehr, mal meinem Wunsch, Prag zu besuchen nachzugehen. Die Bilder sehen vielversprechend aus. Und wenn du die Reise dorthin überlebt hast, kann es ja nicht so schlimm sein...

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  3. Das war bestimmt eine sehr prag-tische Reise. :'D
    Flachwitz 4 Life!

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  4. .....und ich hab noch gesacht....Tochta Prag is schön,da gibts viele schöne Häuser ;)....schön das Du soviel Spass hattest und die Erfahrung gemacht hast das " sowas dann nicht mehr wichtig ist"...

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