Dienstag, Mai 22, 2012

Ein Nachruf. Oder so.

Vor kurzem habe ich von einem Tod gehört, der mich kurz wirklich sehr mitgenommen hat.

Heidi Schmidt † 3. Januar 2010

Vermutlich werden die wenigsten die Autorin kennen. 
Da ich in einem christlichen Elternhaus (also früher. Jetzt sind sie alle Ketzer :D) aufgewachsen bin und mein Vater in einem christlichen Verlag arbeitet, habe ich früher immer viele Leseproben abgestaubt. Eine Buchreihe hat mir dabei immer besonders gut gefallen - nämlich die um Teenager Paula von Heidi Schmidt. Erzählt wird hier herrlich überspitzt, teils zynisch und nie mit Moral, aus dem Leben einer jungen Christin. Paulas gesamte Gemeinde wird dabei regelmäßig durch den Kakao gezogen ohne dass es irgendwie anstößig wäre.
Hiermit schaffte Heidi auf jeden Fall ein seltenes Gut in der angestrengten frommen Jugendliteratur.

Nur zufällig las ich nun vor kurzem auf der Homepage einer anderen Autorin, dass ihre langjährige Freundin gestorben sei - Heidi Schmidt. Ich finde es traurig, dass sie nun seit über zwei Jahren tot ist und ich ihren Tod erst jetzt mitbekommen habe.
Heidi starb an den Folgen eines Herzfehlers, den sie von Geburt an hatte. Als Jugendliche hatte sie eine Herz-Lungen-Transplantation und ihr Tod wurde ihr mehrmals alle paar Jahre vorhergesagt. Doch sie kämpfte. Und schrieb. Sie schrieb auf ihrer Homepage auch über ihre Krankheit und die Transplantation, ohne dass sie hierfür Mitleid erwartete. Sie klärte einfach darüber auf, wie sehr eine Organspende hilft. Seit dieser Lektüre vor einigen Jahren habe ich einen Organspendeausweis. Jeder Mensch sollte sich fragen, was er nach seinem Tod unter der Erde mit seinen Organen anfangen möchte.

Einmal schrieb ich Heidi eine Email, nachdem ich (mal wieder) ein Leseexemplar eines ihrer Bücher gelesen hatte (diesmal nicht von Paula). Ich beschwerte mich darüber, dass sie in ihrem Buch Skinheads mit Nazis gleichsetzt. Sie schrieb prompt zurück und entschuldigte (!) sich tatsächlich dafür, dass sie den Begriff "Skinhead" einfach auf Nazis übertragen und nicht weiter hinterfragt hatte. Anschließend bedankte (!) sie sich für den Hinweis und meinte, ich solle sie doch bitte Heidi nennen und duzen, weil sie sich sonst so alt fühle. Eine tolle Frau.

Es gibt ein paar Bücher aus meiner Kindheit und Jugend, die ich meinen Kindern eines Tages vermachen werde. Die sechs Paula Bände gehören auf jeden Fall dazu. Aber es ist traurig, dass nun niemals ein neuer Band erscheinen wird - der einzige Trost ist, dass ich den letzten Band noch nicht kenne. Irgendwann muss ich den einfach noch haben. Die kleine Paula von früher wird nämlich erwachsen und - heiratet.
Heidi schrieb übrigens grundsätzlich, gnadenlos und konsequent in der Schriftart Comic Sans. In Buch und Homepage. Früher fand ich das unglaublich cool. Heute kriege ich da nur noch die Krise. Nur meine Mutter findet diese Schriftart cooler. Immernoch :D

Kommentare:

  1. Bis zum Comic Sans war ich voll bei dir. Eh. Du hast Kinder?

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    1. Gott nein. Wie kommst du denn darauf?

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    2. Na wegen "Es gibt ein paar Bücher aus meiner Kindheit und Jugend, die ich meinen Kindern eines Tages vermachen werde." :)

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  2. ...HALLO ich darf das ich heiße schließlich auch Heidi.....:) aber echt traurig...ich kann mich auch noch gut an die Bücher erinnern,war so was wie Adrian Plass für Jugendliche....

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