Samstag, September 22, 2012

Heiter bis wolkig


| Heiter bis wolkig von Marco Petry, 2012.
Deutschland, Constantin Film, 99 min.

Der Großküchenkoch Tim (Max Riemelt) und sein Kumpel Can (Elyas M'Barek) gehen regelmäßig in Bars um Frauen kennen zu lernen. Da die typischen Anmachsprüche schon lange keine Frauen mehr anlocken, versuchen sie es auf die Mitleidstour. Einer von beiden spricht eine Frau an und erzählt ihr von seinem krebskranken Kumpel, der nur noch einen einzigen Wunsch hat: Sex. Natürlich kann in dem Fall niemand nein sagen und so gibts eine heiße Nacht für die Männer und das Mutter Theresa-Gefühl für die Frauen.
Doch als Tim bei einer seiner Mitleidstouren auf Marie (Anna Fischer) trifft, deren Schwester Edda (Jessica Schwarz) tatsächlich an Krebs erkrankt ist, verstrickt sich Tim schnell in seinen Lügen und wird von seinem schlechten Gewissen geplagt.

Der Film ist schnell im Erzählen. Schnell geht die "Verwandlung" vom "krassen Tim" zum soften, verliebten Schmusebären. So schnell, dass niemand mitbekommt, dass der krasse Tim tatsächlich so krass war. Genau eine Frau reißt er in einer Bar auf, bevor er DIE eine Frau trifft. Bin ich einfach nicht spießig genug, oder ist das wirklich krass für einen Mittzwanziger?
Schnell geht die "Verwandlung" der Schwester von einem garstigen Kaktus zu einer weinenden Frau, die in ihrem Leben noch 1000 Burger essen will.
Schnell geht die Verwirklichung des Gastronomie-Traums von Tim.
Selbst das unvermeindliche Ende geht letztlich schnell.
99 Minuten ist der Film lang. Ein paar mehr Minuten hätten dem Film sicherlich gut getan.

Erfreulich hingegen ist die Tatsache, dass bereits in den ersten Filmminuten die Donots als musikalische Hintergrundbeschallung gewählt wurden und Jessica Schwarz die Rolle der krebskranken Edda innehat.
Während man, ob des 0815-Beginns des Films, den ein Til Schweiger nicht "besser" hätte filmen können, nur müde seufzen kann, wird Heiter bis wolkig spätestens dann interessant, wenn Edda auftaucht. Eine nihilistische Kratzbürste, die nichts an sich ran lässt und, ohne es wirklich zu merken, ihre Schwester Marie durch ihre Art extrem verletzt. Edda durchschaut Tim schnell und benutzt ihn schließlich, um ihre persönlichen Rachefeldzüge gegen Exchefin und Exfreund zu führen. Auf ungewöhnlich schwarze Weise ist der Film hier fast "böse". Und das macht aufgrund des offensichtlich traurigen Grundthemas Spaß.
Wäre der Film nicht so schnell und platt zu Beginn und Schluss, wäre er vermutlich sogar richtig gut.

1 Kommentar:

  1. Bei deiner Beschreibung funkte mir sein Name schon auf, bevor du Til gesagt hast. Ich befürchte, das wäre so ein Film, wo ich beim Abspann nur ein leer nach Vorn stierendes "blöd" hervorpressen könnte. Und das, obwohl nihilistische Kratzbürsten ja durchaus ihren Reiz haben können. Sei es nur, um die ansonsten trägen Figuren mal etwas aufzustacheln.

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