Donnerstag, Juli 02, 2015

- A

Wie ich hier gerade so sitze, salziges Popcorn in mich reinschaufelnd (welches auf eine furchterregende Art irgendwie köstlich ist, obwohl man sich dagegen wehren möchte) und mich vom Ventilator bewehen lassend, möchte ich an dieser Stelle eine Empfehlung aussprechen, wie ich sie schon lange nicht mehr aussprach. Ich leite nach dieser fulminanten Einleitung über zu einer Serie, die derzeit mein Herz in mediokrer Art und Weise entzwei teilt (macht das Sinn? Ich glaube nicht).

ABC Family 
PRETTY LITTLE LIARS

Da ist diese Serie, die den Ruf hat (hart erkämpft durch twitternde, overly excited Mädchen), eine Serie für kleine Mädchen zu sein. Vier durchgestylte Highschool-Schülerinnen sind die Hauptpersonen, die in dieser Serie von einer mysteriösen Person namens "A" verfolgt und bedroht werden. Per SMS. Und persönlichen Nachrichten auf Spiegeln, Servietten oder Geldscheinen. UND TROTZDEM SEHEN SIE IHN NIE!!

Da ist diese Person, die man über sechs Staffeln hinweg zu keiner Zeit jemals so richtig zu Gesicht bekommt. Sechs Staffeln. Fünf Jahre.  Der Zuschauer erfährt nicht, wer so viel Geld, Zeit und Geduld investiert, um vier kleine Schülerinnen zu quälen und mit dem Tode zu bedrohen. WIE KANN DAS SEIN? Und die viel wichtigere Frage ist doch: Wie kann es sein, dass ich immer noch jeden Mittwoch da sitze und mir die neuste Folge Pretty Little Liars herbei sehne, OBWOHL ich doch weiß, dass ich auch in der aktuellen Folge nichts über die genauen Hintergründe erfahren werde. Wer fünf Jahre lang eine Geschichte aufbaut und den Antagonisten derart grausam und gestört charakterisiert, kann die Geschichte überhaupt nicht zu einem befriedigendem Ende bringen. Ein derartig abstruser Hass gegen Highschool-Schülerinnen lässt sich einfach nicht erklären, denn (Spoiler): Wer baut schon ein ganzes Haus, das die Zimmer der Mädchen in einer derart perfekten Version wiederspiegelt, sodass diese erst das Gefühl haben, Zuhause zu sein. Bis sie begreifen, dass sie in einem riesigen Puppenhaus gefangen sind. Ohne Fenster. Mit elektronischen Türen. Und derart detailgetreu. Wer hat für so etwas Zeit und Geld und Lust?  Und das finde ich so traurig. Ich schaue diese Serie aus dem einzigen Grund, dass ich im April nach erstem Hörensagen der Serie nicht googlen konnte, wer A ist. Deswegen musste ich das alles angucken. Einfach nicht weitergucken ist halt auch keine Option. Ich kann nicht sterben, ohne zu erfahren, wer diese kranke Person ist. Einfach, weil das alles viel zu spannend ist. Diese vier Mädels, die auch nie mal auf die Idee kommen, zur Polizei zu gehen, wenn sie was über A herausfinden. Die auch sonst niemandem etwas darüber erzählen, obwohl sie sich zu 70% in Lebensgefahr befinden.

Ich erinnere noch mal: Seit 5 (in Worten: fünf) Staffeln warten wir darauf, zu erfahren, wer dieser geisteskranke A ist. Veronica Mars wurde in der zweiten Staffel gezwungen, nur eine halbe Staffel lang ein Geheimnis aufzubauen. Dann musste es aufgelöst werden. Wegen der Ungeduld der Zuschauer. David Lynch musste in den 90er Jahren bei Twin Peaks am Ende der ersten Staffel aufklären, wer der Mörder von Laura Palmer war, obwohl er das niemals aufklären wollte. Und Marlene King darf einfach fünf Jahre lang vorenthalten, wer der mysteriöse A ist, ohne dass die Zuschauer abspringen. 

Das Konzept dieser Serie macht mich so dermaßen aggressiv. Und dennoch werde ich mich jetzt mit meinem Restpopcorn hinsetzen und die aktuelle Folge schauen. - Nur um mich gleich daraufhin wieder zu ärgern, dass nie Fragen aufgeklärt werden und dass dafür einfach alle Hauptpersonen immer dumm handeln. Wie kann diese Serie funktionieren? Wie?

Und jetzt geht los und guckt sie. Es lohnt sich.

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