Sonntag, November 20, 2011

Melancholia

Die Erde ist böse. Wir müssen nicht um sie trauern. 

|Melancholia von Lars von Trier, 2011
Zentropa Entertainments, 130 min.

Der Planet Melancholia nähert sich der Erde. Die gutbürgerliche Claire (Charlotte Gainsbourg) fürchtet sich vor einem Zusammenstoß mit der Erde. Ihre Schwester Justine (Kirsten Dunst) ist depressiv. Sie scheint als einzige die Konsequenzen zu ahnen und vorallem zu aktzeptieren.

- Enthält bestimmt Spoiler. Ich finde es schwer über diesen Film zu schreiben, ohne diverse Sachen zu erwähnen. Lesen auf eigene Gefahr. -

Am Anfang steht eine Hochzeit. Ein Akt der das Leben feiern und die Menschen fröhlich machen soll.
Am Ende steht eine Kollision mit einem fremden Planten. Ein Abschied von der Welt in Form einer Apokalypse.
Zu Beginn des Abspanns saß ich erstmal da und wusste nicht so recht, was ich von dem Film halten soll. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto besser gefällt er mir. 
Die depressive Justine die zu Beginn des ersten Teils heiratet und eigentlich fröhlich sein sollte verfällt immer mehr ihrer Krankheit. Sie verliert an einem Abend alles und bricht zusammen.
Der zweite Teil des Films wirft in besonderem Maße ein Auge auf Claire. Sie ist zu Beginn noch die, die ihre Schwester auffängt und zu sich holt, weil Justine kaum alleine laufen kann. Sie möchte sich um sie kümmern, obwohl ihr Mann meint, ihre ganze Familie sei krank. Je näher Melancholia der Erde kommt, desto mehr verstrickt Claire sich in ihrer Angst und der Befürchtung, die Erde könnte durch eine Kollision vernichtet werden. Plötzlich ist es Justine, die ihre Schwester auffängt und die letzten Momente der Welt ihre Hand nimmt und alles nicht so schwer nimmt.
Sind es am Ende die Depressiven die mit der Wahrheit so viel besser klar kommen als die, die alles leicht nehmen? Während Claire in den letzten Minuten ein Glas Wein trinken möchte, sieht Justine in all dem Getue der Menschen keinen Sinn mehr.
Von Trier thematisiert in diesem Film seine eigene Depression. Eine (verkannte?) Krankheit, die doch ein Gutes hat. Die Angst vorm Ende verschwindet und man kann ruhig auf der Wiese in einer "magischen" Höhle sitzen und warten bis alles vorbei ist. Untergang mit erhobenem Kopf und ohne Angst.
Die Bilder des Films sind klasse. Leider ist der Film teilweise extrem langatmig. Teilweise musste ich mich sehr zusammen reißen nicht einzuschlafen, aber das kann sicher auch an der Uhrzeit gelegen haben :D Schön zu sehen ist auch, wie schwach in diesem Film zur Abwechslung mal der Mann dargestellt wird. Ist es bei von Trier meist die Frau, die schwach ist, ist es diesmal vorallem Kiefer Sutherland. Angesichts des Endes der Welt sieht er keinen anderen Ausweg als den Freitod. Besonders witzig wenn man bedenkt, was für Kraftprotzen er sonst spielt.

Das blöde an Kunst-/Programmkinos ist das teilweise merkwürdige Publikum. Ein Herr (garantiert Kunst- oder Medienwissenschaftendozent!) eine Reihe vor uns pschte zwei Sekunden nach Filmbeginn zwei Damen neben sich an, weil diese mit einer Tüte knisterten. Die ersten zehn Minuten zeigen Bilder in Zeitlupe mit extrem lauter Musik. Es fällt kein einziges Wort, aber man kann ja ruhig mal lauthals Empörung zeigen (er beugte sich anschließend noch zu den Damen rüber und redete auf sie ein. Zuu gerne hätte ich den Monolog gehört!). Und das dauerhaft. Und dann später selbst mit seiner Begleitung ohne Scham reden. Und an unpassenden Stellen lachen. Mich nerven laut knisternde Tüten im Kino ja auch - aber muss man das so unsympathisch deutlich machen? Natürlich habe ich dann als Antwort extra laut geknistert. Und ihm den versteckten Mittelfinger gezeigt. Allein für diese witzige Vorführung haben sich die sieben Euro gelohnt. Danke :D

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