Dienstag, November 29, 2011

Gibt das Schwein denn keine Milch mehr

Menschen kommen, Menschen gehen
Vielleicht ein Stolpern, ein Versehen
Ein geradezu ernüchterndes Alltagsproblem
Clickclickdecker

Seit zwei Monaten arbeite ich in einem Behindertenwohnheim. Heute hatte eins meiner „Kinder“ eine Abschiedsparty, weil er mit seinen 19 Jahren der Einrichtung entwachsen ist. Donnerstag wird er uns verlassen und in ein neues Heim ziehen.
Ich kann nicht beschreiben, wie wunderschön und gleichzeitig furchtbar traurig der Abend war. Zu sehen, wie er mit sich und seinen Myoklonien kämpft. Wie er seinen Sitznachbarn ärgert und sein typisch fieses Grinsen aufsetzt. Und wie er sich darüber, wer alles gekommen ist.
Ich kenne ihn zwei Monate und bin traurig, wenn ich daran denke, wie leer die Gruppe ohne ihn sein wird. Keine bekloppten Ideen mehr. Kein Günther Jauch spielen mehr. Keine Diskussionen mehr beim Essen darüber ob und was er essen will. Erst ein Brot schmieren lassen und dann doch kein Bock drauf haben. Und dann das breiteste Grinsen zeigen, wenn er jemanden mit seiner Gabel piekst.
Wie muss es erst Leuten gehen, die ihn begleiten seit er dort vor vier Jahren eingezogen ist? 
Schon im Januar kommt ein neues Kind in die Gruppe. Ein weiterer Mensch auf der langen Liste von Begegnugen.

Selten lernt man jemanden kennen, mit dem man sein ganzes Leben lang Kontakt hat. Und das mehr als sporadisch. Man muss sich mal vorstellen, wie viele Menschen man in seinem ganzen Leben trifft. Man hat ein paar Jahre ein gutes Verhältnis und driftet dann doch irgendwann irgendwie in verschiedene Richtungen.
Dann gibt es aber doch auch die einigen wenigen Menschen die du eine lange Zeit nicht siehst. Und dann ist beim ersten Treffen nach dieser Zeit alles genau so, wie es bei der letzten Begegnung vor einem Jahr war. Wenn genau da weitergemacht wird wo aufgehört wurde. Leider ist dieser Typ Mensch ziemlich selten. Aber man kann froh sein, wenn man einen dieser Sorte hat.



Clickclickdecker - Stolpern

Kommentare:

  1. Ich glaube, so ein Abschiedsritual ist deshalb auch für die Betreuer wichtig. Wenn es schon schwer ist, Emotionen vom Beruf zu trennen, dann sollte man zumindest an der Stelle einen sauberen Cut finden, mit dem es dann vorbei ist. Gerade in Pflegepositionen frißt man sonst auf Dauer eine Krankheit in sich hinein.

    PS: Ich hoffe du hast registriert, daß ich auf deinen letzten Kommentar "zuhause" reagiert habe?^^

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  2. Bewundernswert, dass du so eine Berufswahl getroffen hast. Vor Menschen wie dir ziehe ich immer wieder meinen Hut. Meine Schwester betreut ein autistisches Kind und wenn ich dann immer ihre Geschichten höre, weiß ich nicht, ob ich das so aushalten könnte. Aber zum Glück gibt es ja so Menschen wie dich! :)

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