Montag, Mai 16, 2011

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 5

Heute: Der unerquickte Regaleinräumer 

Ich kann es ja besonders gut leiden, wenn ich fröhlich Regale einräume und neben mir Kunden stehen und dauerhaft suchende Geräusche von sich geben. Das geht dann ungefähr so: "Hm... schnalzgeräusche einfügen.. ach.. hmm.." 
Statt dass einfach mal gefragt wird, wo das Gesuchte steht, wollen die Leute lieber angesprochen werden. Vermutlich weil sie Zuhause zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und diese eben anders eingeholt werden muss. Es ist ja nicht so, dass ich durch die unrealistischen Zeitvorgaben von Seiten meiner Arbeitgeber schon genug unter Stress stände. Freundlich wie ich bin, frage ich aber dennoch, ob ich denn helfen könne. "Hmm. Jaaa.. Also irgendwie komme ich nicht zurecht. Haben Sie schon wieder umgeräumt?" (Es wurde seit Monaten übrigens nicht mehr umgeräumt). Leider Gottes war das gesuchte Produkt nicht mehr vorrätig und was sagt die gute Frau zu mir? "Das ist ja nicht sehr erquickend heute." Ahja. Ich muss zugeben, meine Seele erquickt dieser Laden leider auch schon lange nicht mehr. Wer erquickt werden will, soll in die Kirche gehen und nicht Kaffee kaufen.
Ab heute werde ich die Menschen in meinem Umfeld erziehen. Wer meint nur blöde Andeutungen machen zu müssen, wird gekonnt ignoriert und bekommt garantiert nicht das, was er möchte. Irgendwann wird sich das auf die ganze Welt niederschlagen und ich muss mich nicht mehr so viel aufregen. Mein Blutdruck wird es mir danken.

Aber vielleicht liegt es auch am Regaleinräumer selbst. Irgendwie ist man mit diesem Job in der Nahrungskette schon ganz unten angekommen. Die meisten Leute denken wirklich, man sei dämlich.
Da räume ich munter Reinigungsmittel ein, als eine Frau mich anspricht und fragt, wo das Nachfüllspray für solche Raumduftdinger stehe. Gar kein Probleeeem, da kenne ich mich aus. Die gute Frau ist aber nicht überzeugt, weil die Dinger nicht aussähen wie das Original (ob sie wohl verstanden hat, dass sie Nachfülldinger gesucht hat?). Da sagt sie doch tatsächlich: 
"Können Sie mir jemanden holen, der Interesse hat, hier etwas zu verkaufen?" Ja klar. Ich habe ja nichts besseres zu tun als den Bimbo für eine garstige Idiotin zu spielen. Weil ich machmal viel zu freundlich bin, hole ich also eine Verkäuferin des Hauses und was gibt sie der Kundin? Natürlich das, was ich ihr vorher auch geben wollte. Das Resultat: "Ach, vielen Dank. Genau das wollte ich haben." Schade, dass meine Blicke nicht töten oder wenigstens sehr starke Schmerzen zufügen können.

Kommentare:

  1. "Yeeeessss, let the hate consume you!"

    http://www.allmystery.de/dateien/uh60967,1268575872,imperator.JPG

    Ich warne dich Judith, werde nicht so zum Menschenfeind wie ich, du bist mein letzter Sonnenschein :D

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  2. Leider ist das häufig so, dass ältere Damen von Welt kein Vertrauen in die Jugend haben.
    Ich werde im Kino auch nur angemotzt, während meine älteren Kollegen von der Projektion mit Respekt behandelt werden, obwohl sie in Sachen Kartenverkauf auf dem selben Stand sind wie ich.

    Gestern z.B. war es aus unbegreiflichen Gründen kalt im Saal. Zum wiederholten Mal kam eine ältere Kunding auf mich zu und bat mich im charmant pampigen Ton doch endlich die Klimaanlage auszuschalten.
    Ich sagte zu ihr: "Wir haben gar keine Klimaanlage."
    "Doch, das haben Sie!"
    Bis der Vorführer kam und sagte: "Nein, wir haben keine Klimaanlage, nur eine Belüftung."
    Nach dem Film kam sie mit ihrer Freundin heraus, strahlend und glücklich auf den Vorführer zu: "Ach, das ist ja so lieb von Ihnen, dass Sie die Klimaanlage für uns ausgeschaltet haben."
    Ich wurde keines Blickes gewürdigt.

    Eines Tages, wenn ich die Weltherrschaft an mich gerissen habe, werde ich sie alle auf ihre alten Tage hin versklaven und ein Denkmal für mich errichten lassen.

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  3. Jaaa, darf ich und weil ich in einer Art Arthaus-Kino arbeite, ist die Filmauswahl bei uns (fast) immer super.

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  4. Ich kann dich verstehen, besonders, weil ich die ungefähre Höhe deiner Bezahlung kenne. Aber es sind an sich alles Dinge, die sich kommunikativ lösen lassen. Das kann man von dir in dieser Position nicht verlangen, nur das wissen halt die Kunden auch nicht unbedingt. Denen ist es egal und weil ich aus der Servicebranche komme, habe ich da z.B. selbst als Kunde auch ein sehr kritisches Auge/Ohr dafür. Das heißt, den Laden, aus dem ich voll zufrieden herausgehe, den gibt es eigentlich kaum. :D
    Bevor du dich unterkriegen läßt, solltest du vielleicht lieber mal mit dem Chef drüber sprechen, ob und wie deine Mitarbeit über das Packen hinaus gewünscht ist und dann läßt sich darüber ja vielleicht auch ein flexibleres Zeitfenster finden. Eine kurze Beratung und ein paar freundliche Worte kostet ja nicht so viel Zeit. Wenn du das souverän so nebenbei durchziehst, steigert das ja schließlich auch den positiven Eindruck bei den Kunden. ;)
    Ich bin jedenfalls so gedrillt, daß ich einen Kunden nicht einfach stehen lassen könnte. Im Gegenteil passiert es mir immer wieder, daß ich in Geschäften als Kunde plötzlich kurze Hilfestellungen leiste, wenn ich sehe, daß ich da etwas ausrichten kann. *lol*

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  5. Oh der Affe ist total alt. Der darf seit kürzerer Zeit offiziell auf Ü-30 Parties gehen. Am Krückstock versteht sich. ;)

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  6. Dankeschön :D dein Layout gefällt mir auch!

    Es ist schon schrecklich, dass man zusammen mit seinem Job (oder Nebenjob) in eine Schublade gesteckt wird und vorallem das Kunden von Einkaufsläden immer so unfreundlich sind. Einfach zum kotzen. Ich erinner mich da an einige Szenen, wo Kunden einfach schnippisch reagieren, wenn sie der "Einräumerin" nicht vertrauen ^^ unglaublich (ich arbeite zwar selbst nicht als Einräumerin, aber man hält ja selbst in Einkaufsmärkten Augen und Ohren offen ^^). Was denken die, wer sie sind?

    Liebe Grüße :)

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