Samstag, Juni 11, 2011

Aus gegebenem Anlass

Stell dir vor, sie sperren kino.to und alle gehen auf die Barrikaden.
Aber warum eigentlich?
Im Grunde ist diese Seite nichts anderes als eine Linksammlung, die zu verschiedenen Streamhostern weiterleitet bei denen man sich (illegal?) an Filmen, Serien oder Dokus erfreuen kann.
Klar, dass das eine Menschengruppe wenig erfreut: die Filmindustrie. Klar, dass sie beschließt, in einem Rundumschlag die Verbrecher zur Strecke zu bringen. Man sieht sich besonders im Urheberrechtsbereich verletzt.
Da stellt sich natürlich die Frage: Ist die liebe, gute Filmindustrie nicht selber schuld?
Was bekommt man als erstes zu Gesicht, nachdem man sich ins Geschäft begeben, legal und gesetztreu eine DVD erworben und diese anschließend des Abends in den heimischen DVD-Player eingelegt hat? Raubkopierer werden hart bestraft und kommen fünf Jahre in den Knast!
Eh? Ich hab für den Scheiß Geld ausgegeben; kein Grund mich als Käufer zu kriminalisieren (das macht die Deutsche Bahn ja auch besonders gerne). Die Leute, die sich die raubkopierten Stücke ansehen, werden die künstlerisch hochwertigen Spots ohnehin nicht zu Gesicht bekommen, da die Clips natürlich rausgeschnitten werden. Ich als Ottonormalgucker kann die Clips meist nicht mal vorspulen. Was ist denn da kaputt?
Ich gebe wirklich viel Geld für DVDs und Kinovergnügen aus und wenn ich mir dann anhören muss, dass ich ein potenzieller Raubkopierer bin, kann ich einfach nur den Kopf schütteln.
Ganz zu schweigen davon, dass es einfach absolut kein vergleichbares legales Angebot gibt. Ich war einige Male kurz davor, mich bei einschlägigen Portalen wie Maxdome uä. Konsorten anzumelden, aber: Das ist einfach der letzte Quark! Es gibt kaum Auswahl, ist absolut überteuert (2,50€ für eine einzige Folge einer Serie??? Das macht bei 22 Folgen 55€! Wo ist denn da das Verhältnis?) und ohne Originalton. 
Statt dass sich die Filmindustrie ein Beispiel an der Musikindustrie nimmt, die schon längst erkannt hat, dass Menschen durchaus bereit sind für Mp3-Dpwnloads Geld auszugeben, dümpelt hier nur alles vor sich hin.
Ich verstehe, dass man Sachen verbieten will, die verbotenerweise veröffentlich wurden (Filmmitschneiderinkinos, ich verachte euch.). Aber statt drei Jahre zu überlegen, wie man eine Internetseite lahm legt, versucht endlich mal, eine ordentliche Alternative zu schaffen.
Um abschließend noch einen fleißigen Spiegel Online Forumsschreiberling zu zitieren: "Jetzt soll der Gesetzgeber mal den Internetusern erklären, warum das Bereitstellen von Zeichentrickfilmen auf Stream-Seiten härtere Sanktionen nach sich zieht als das Bereitstellen von Kinderpornos."

Kommentare:

  1. Das unterschreibe ich so, ich kann da nur zustimmen.
    Vor allem das letzte Zitat ist so ein Knackpunkt, dem ich nichts mehr hinzufügen kann.

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  2. Ganz müßige Debatte. Soll man nun anderer Leute Arbeit entlohnen und gibt es ein Anrecht darauf, das Honorar im Vorfeld zu verweigern, weil man der Meinung ist, der Film wird eh scheiße?
    Ich bin da ganz ehrlich und gebe zu, daß ich mich von der Filmindustrie ganz oft vernachlässigt fühle, weil ich mir das, was mich interessiert, oftmals nicht einfach im Laden kaufen oder im Kino sehen kann. Themen und Stil sind bei aktuellen Filmen oft nicht mein Fall. O-Ton im Kino ist ein seltenes Gut. DVDs (bzw. akzeptable Fassungen) gibt es teilweise nur über sieben Online-Ecken aus dem Ausland. Über mangelhafte oder schlicht falsch aufgefaßte Restauration rede ich gar nicht erst. Naja und wer bekommt eigentlich mein Geld, wenn ich mir den Film im Original nur als gebrauchte VHS kaufen kann? Wohl doch eher der findige Händler als der Rechteinhaber.
    Um es kurz zu machen: Ich kenne das Portal nur vom Namen, jedoch steht es bei aller Verwerflichkeit für ein existentes Problem in unserer Wirtschaft. Die Kunden wollen am besten nix bezahlen und die Firmen mit möglichst wenig Einsatz möglichst viel Profit erzielen. Die Lösung liegt irgendwo dazwischen.
    Was wir als erstes einsehen müssen ist, daß die Technik eine andere ist als in den 90ern, als man noch ungestraft Videos aus der Theke leihen und diese dann für den Hausgebrauch überspielen durfte. Naja, jedenfalls gab es afaik kein explizites Gesetz dagegen. Nun hat die Industrie quasi einen Boom erlebt, als die DVD neu war. Das war so, wie als die CD massenkompatibel wurde und sich alle die Lieblingsalben nochmal kaufen wollten. Gut, damals kam noch der Bedarf aus den neuen Bundesländern obendrauf, aber die haben ja auch fleißig DVDs mitgekauft, weil Deutschland in der Zwischenzeit nicht mehr kleiner geworden ist.
    DVD war geil. Besonders so ab 2004, als ein breites Sortiment verfügbar war und die Preise erschwinglich wurden. Da machte es doch noch mehr Spaß die Sammlung in einem Format aufzubauen, das nicht mehr für Bandsalat sorgte und welches in der Qualität hochwertig war, gleichwohl nicht abnutzte.
    Und nebenher kamen dann die Brenner und Rohlinge in die Discounter und die Internetbandbreiten erlaubten eben Ranzkopien auf dem Niveau der alten Nüddeltapes in Umlauf zu geraten. Es gibt Leute denen reicht das. Dabei halte ich diese nicht mal für so gefährlich, da die vermutlich auch so kein Geld für den Film ausgegeben hätten. Eine 1:1 Kopie erstellen zu können ist da schon verführerischer. Daß es im Netz inzwischen ohne weiteres HD-Qualitäten gibt, halte ich für problematisch.
    Die Frage ist nun, wie kann man es richtig machen? Ich bin der Typ, der seine Freiheiten genießt und der schon als Jugendlicher mehrere hundert VHS-Originale besaß. Und ich gebe im Monat mehrere hundert Euro für meine Filmleidenschaft aus, für Originale. Jeder illegale Zuschauer sollte mir ein Dorn im Auge sein, weil er verhindert, daß die Preise erschwinglicher sind, daß Filme überhaupt veröffentlicht werden oder oder...

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  3. Ist das eigentlich so? Und habe ich nicht gerade gesagt, daß ich mich von der Industrie oft nicht verstanden fühle?
    Der Kunde ist heute nicht eine klar umreißbare Gruppe. Es gibt stets spezielle, individuelle Bedürfnisse. Die Stärke von Online-Angeboten scheint z.B. zu sein, daß man sich sein Wunschprogramm zusammenstellen kann, wann und wie man will. Auch ich würde gern von so einem Angebot profitieren, wenn man analog zu den USA ein Public Domain Recht einführen würde. In Deutschland (Europa) will ja jeder aus jeder popligen Kleinigkeit Kapital schlagen, teilweise eben unter illusorischen Vorstellungen. So gibt es durchaus interessierte Vertriebe, die Rechte einfach nicht erwerben können, weil Rechteinhaber das wirtschaftliche Potential ihres Materials vollkommen überschätzen. Wer hat nun etwas davon, wenn Kunstwerke gar nicht erscheinen, vielleicht so auf Dauer auf ewig verfallen und unwiederbringlich verloren gehen?
    Ich spreche von einem Teilaspekt, der für ein homogenes Angebot durchaus wichtig werden könnte. Würde man Rechte nach einer gewissen Zeit grundsätzlich verfallen lassen, so würden sich diese Titel bspw. für ein grundsätzlich kostenloses Angebot eignen. So würde man solche Filme immerhin in Umlauf halten.
    Ferner könnte man ein kostenloses, werbefinanziertes Zusatzangebot, meinetwegen teilweises in SD, zur Verfügung stellen. Dann kann man die Palette ohne weiteres noch um kostenpflichtige Angebote in unterschiedlichen Staffelungen nach Alter und Qualität ergänzen.
    Was wäre es für eine Entlastung für meinen archivarischen Zwang, wenn ich wüßte, daß ich für einen Monatsbeitrag so immer Zugriff auf eine umfassende Filmothek haben könnte? Wieviel mehr als normales Free- und Pay-TV hätte ich davon, wenn eben nicht nur 08/15 Wiederholungen, sondern eben auch Obskuritäten im Originalton ohne weiteres Verfügbar wären?
    Wäre es nicht sogar eine kollektive Aufgabe für eine globale Gesellschaft, ihre Kunstschätze so in einem virtuellen, weltumspannenden Archiv konservieren und verfügbar machen zu können?
    Aber woran denke ich? Kunst, pff. Film ist Wirtschaft. Und so lange bleibe ich Kapitalist, der sein Geld in physischen Datenträgern angelegt wissen möchte, von deren Inhalten garantiert nicht jeder überhaupt noch einmal breit verfügbar sein wird. Nur für mich. Wann ich will, wie ich will und wo ich will. Und um ehrlich zu sein, hab ich davon so viel, daß ich eh schon ein halbes bis ganzes Leben benötigen werde, um dies auszuwerten. Ich bin sozusagen auf dem Wege von der Konsum-Adipositas an Herzverfettung zu sterben, sprich ich muß aufhören zu kaufen, weil ich nicht mehr viel Auswahl und kaum noch Platz habe. Was brauche ich da nun noch diese illegale Seite? xD

    PS: Ich sehe du hast einen meiner Lieblingsautoren (Palahniuk) gelesen. Sehr gut. Und du hast The Doors gehört. Auch gut. Und nachdem mir die letzten Tage mehrfach Big Bang Theory über den Schirm gelaufen ist, habe ich schon mal drüber nachgedacht, mir vielleicht mal die DVDs dazu zu holen. *lol*

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  4. Danke, danke, der Applaus ist gerechtfertigt. ;D
    Dann los, besorg dir buntes Blumenzeugs!

    Und den Beitrag hier würd ich unterschreiben. Schweinerei, alles.

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  5. Also generell möchte ich für meine Arbeit auch gerne bezahlt werden, deswegen halte ich von Raubkopieren nichts. Es gibt zwei ganz einfache Aspekte, wenn es um Geld und dem Ausgeben desselben geht: Angebot und Nachfrage. Wenn du glaubst, dass du für dein Geld nicht die gewünschte Leistung erhalten hast, dann nimm in Zukunft diese Leistung auch nicht mehr in Anspruch. Aber niemand hat das Recht, sich über etwas zu beschweren, dem er sich nicht aussetzen muss (huh da kommt der Satanist wieder durch). Dadurch sinkt die Nachfrage, ergo wird das Angebot dementsprechend geändert.

    Es fehlen Angebote wie Netflix, die auf einem Pauschalpreis arbeiten und ja auch gut funktionieren. Man kann damit z.B. über seine PS3 Filme in HD Qualität streamen, was ich als Kinowüstenbewohner ja mega klasse finden würde. Nur leider gibts den Scheiß hier nicht! Hulu.com wäre eine dementsprechende Lösung für Serien. Oder das Modell von southparkstudios.com; 1 Tag nach Originalausstrahlung kann man sich alle Folgen ansehen, und schalten dazwischen halt 3 mal nen kurzen Werbeclip. Warum hat sich dieses Modell noch nicht durchgesetzt?!

    gute Nacht vom Antipirat und Satanisten,
    Woifi

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  6. Ach, so lang war das doch gar nicht. Nur ein kurzes Gehirngestürm.^^ Übrigens gab es schon immer mal wieder Bemühungen von Verlegern, einen Zweitmarkt zu unterbinden. In manchen Büchern findet man da auch Formulierungen, die eine Zweitverwertung unterdrücken wollen. Hat sich afaik aber auch noch kein Flohmarkthändler dran gestört. Denken wir mal an DRM, das geht ja in die gleiche Richtung. Ich als Kunde finde es nicht attraktiv. Ich möchte nicht Jura studieren und tausend Bedingungen erfüllen müssen, nur um ein legales digitales Produkt zu nutzen.
    Was den Werbeeffekt von kostenlosen Angeboten angeht, da stimme ich dir zu, jedoch nicht, daß diesen Job eine illegale Seite zu übernehmen hat. Wenn ein Produkt gut ist, dann wird es gekauft. Das ist meine Einstellung dazu. Wenn das Produkt nicht gut genug ist, um es selber zu präsentieren, dann ist mit dem Produkt offensichtlich etwas nicht in Ordnung.

    PS: Palahniuk im Original habe ich bisher leider nicht gelesen. Das wär nochmal eine Idee. *g*
    Ich schwanke bei Big Bang Theory noch zwischen der ersten Staffel, oder gleich allen 3 Staffeln aus UK. Ich denke mal, daß ich die am Ende doch auf Englisch schauen werde, insofern wär das ja egal. Hmmm.

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