Freitag, Oktober 26, 2012

Less Than Zero

| Unter Null (Less than Zero) von Bret Easton Ellis
USA, 1985

Der verwöhnte und reiche Student Clay fliegt über die Weihnachtsferien nach Hause zu seinen Eltern und alten Freunden in Kalifornien. Clay hat Probleme, sich wieder in seinen alten Alltag einzugliedern. Seine Freunde und seine Familie sind ihm fremd geworden. 
Einer seiner Freunde, Julian, ist mittlerweile heroinabhängig und prostituiert sich, um weiter an den Stoff zu kommen. Ein anderer seiner Freunde präsentiert erst stolz einen Snuff-Film, ehe er im späteren Verlauf zu sich nach Hause lädt, um seine "neuste Erungenschaft" zu zeigen - ein 12jähjriges Mädchen, das nackt ans Bett gefesselt wurde, um dort die kranken Vorlieben Clays' Freunde zu befriedigen.
Zwischen all diesen Geschehnissen versucht Clay, seine innere Leere und Entfremdung durch Drogen, Partys und Sex zu füllen.

Unter Null ist der erste Roman von Bret Easton Ellis. Er begann die Geschichte mit 16 unter Einfluss von Speed und vollendete sie im Rahmen einer College Abschlussarbeit mit 21 Jahren.
Das Buch ähnelt in den Grundzügen Ellis' Drittwerk American Psycho. Beide Bücher handeln von reichen und gelangweilten Menschen, die nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen. Wo Clay hingegen noch hedonistisch handelt und seine Ablenkung in Drogen und Partys sucht, ermordet der Protagaonist aus American Psycho, Patrick Bateman, aus Langeweile seine Mitmenschen auf brutalste Art und Weise. Ebenfalls gemein ist beiden Geschichten die absolute Langeweile die beim Lesen entsteht. American Psycho besteht zu 80% aus Markenaufzählungen und Yuppie-Geschwätz. Unter Null besteht zu 100% aus einer ewigen Aneinanderreihung / Aufzählung von Orten, wie Restaurants, Bars oder Discos, die Clay im Laufe seines Aufenthalts Zuhause besucht; welche Drogen er gerade intus hat und Menschen die er trifft
Während die Langeweile in American Psycho immer wieder durch die Beschreibung der bestialischen Morde durchbrochen wird, besteht Unter Null aus 196 Seiten purer Langeweile.
Nicht einmal die Andeutungen der "schlimmen Dinge", wie dem Snuff-Film oder dem gefangenen 12jährigen Mädchen, können das Buch inhaltlich füllen oder gar aufwerten. Viel zu weit hergeholt erscheinen diese Nebenstränge. So dumm, gelangweilt, nihilistisch und notgeil können doch nicht einmal verwöhnte und gelangweilte Jungs Anfang 20 sein.
Vielleicht war es ein Fehler, das Buch auf deutsch zu lesen. Es ist das erste Mal seit Ewigkeiten, dass ich ein Buch in seiner deutschen Übersetzung gelesen habe. Ich könnte mir vorstellen, dass die Sprache in der Originalfassung des Buches weniger gestellt und dämlich klingt. Sätze wie "Der Freitag nach Weihnachten ist richtig schön sonnig und warm, und ich beschließe, dass ich endlich mal braun werden muss, und deshalb treffe ich mich mit einer Menge Leute [..]." sind einfach anstrengend und klingen nicht annähernd so lässig, wie sie vermutlich angedacht sind.
 
Unter Null lebt von der Wiederholung. Immer wieder werden Werbetafeln zitiert ("Verschwinde von hier!") und auf zuvor gesagte Sätze wird zurückgegriffen ("Die Leute werden immer rücksichtsloser."). Natürlich sind all diese Wiederholungen Teil eines Stilmittels das zeigt, dass Clay sich selbst darüber im Klaren ist, was für ein sinnentleertes und beschissenes Leben er führt. Doch statt etwas zu ändern, stopft er sich mit Drogen voll und verschwindet am Ende des Buches wieder ins College. Dort hat er dann solange seine Ruhe, bis er in den nächsten Ferien wieder Zuhause auftaucht und die ganze Schose wieder von vorne beginnt.

Reiche, weiße Jugendliche die nichts mit ihrem Leben anzufangen wissen. LAME.
Laut dem Klappentext entwickelte sich das Buch schon kurz nach seinem Erscheinen in den USA zu einem Kultbuch. Endlich fühlten sich die Jugendlichen verstanden. Wer sich in dieser Geschichte wiedererkennt, hat irgendwas falsch gemacht.

Kommentare:

  1. Ich habe "American Psycho" im Sommerurlaub gelesen und kann dir nur voll und ganz zustimmen. Ein gefühlt ewig andauerndes Wechselbad aus Langeweile ("Was es nicht alles für Herrenmode-Marken gibt, faszinierend! Und diese ganzen Badezimmerprodukte!") und Abscheu (selten so widerliche Dinge gelesen wie in den Mordszenen in diesem Buch.) Ich hab schon kapiert, dass dieses Geleier ein Stilmittel ist und die Oberflächlichkeit und den Stumpfsinn dieser Supertypen karikieren soll. Macht das das Buch deshalb lesenswerter? Find ich nicht. "Unter null" wird dann wohl auch nicht mein nächstes Lieblingsbuch...naja.

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    1. Ich finde ja am abartigsten, dass man sich diese Mordszenen quasi herbeisehnt zwischen diesen ganzen furchtbaren Aufzählungen der Markennamen, damit endlich etwas passiert. Und sind sie dann da, will man wieder was von Herrenmode hören, weil es einfach ZU krass ist..

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