Dienstag, Oktober 16, 2012

On the Road

Sal: The only people that interest me are the mad ones.

© Concorde

| On the Road von Walter Salles, 2012.
FR/UK/BRZ/USA, MK2, 137 min.

Nach dem Tod seines Vaters trifft Sal Paradise (Sam Riley) auf Dean Moriarty (Garrett Hedlund). Dean ist ein kleiner Rumtreiber, der ständig unterwegs ist und durch die USA reist. Beeindruckt von dieser Freiheit schließt Sal sich Dean an. Mit dabei sind auch Marylou (Kristen Stewart) - Deans Ehefrau - und Sals Notizbuch, in dem der junge Schriftsteller seine Erlebnisse der Reise niederschreibt.


Walter Salles Verfilmung des Klassikers On the Road von Jack Kerouac ist nicht im mindesten so verrucht, wie der Regisseur es vermutlich gerne gehabt hätte.  
Kennzeichnend für die Buchvorlage ist das schnelle episodengleiche Erzählen einer Geschichte, die in den Grundzügen nur aus Sex, Drogen und Reisen besteht. On the Road steht stellvertretend für die gesamte Beat Generation. Die "Generation", bestehend aus den wichtigsten Autoren Kerouac, Ginsberg und Burroughs. Eben diese Autoren, die Kerouac in On the Road als Inspirationen dienten. Sie waren die Boheme der 1950er Jahre, die den "harten" Bebop hörten, Bücher und Gedichte schrieben, Drogen nahmen und auf der Suche nach der Bedeutung des Lebens waren.
Während die Vorlage dreckig ist, ist der Film ein stumpfer Roadmovie in Hochglanzoptik.
Das Buch handelt vom Freisein, der Suche nach dem Sinn, dem ewigen Hinterherlaufen verpasster Gelegenheiten und heroisierten Freunden.
Der Film versucht alles, um diesem Vorbild gerecht zu werden. Ausschweifenden Autofahrten und Tanzszenen folgt der Sex mit wechselnden Partnern. Leider ist On the Road allerdings nur eine Aneinanderreihung hübscher Bilder, ohne jemals die Rastlosigkeit Sals und seine Heroisierung Deans fassen zu können.

Natürlich muss Hollywoodgerecht auch eine Dreiecksliebesbeziehung eingebaut werden. Natürlich muss diese um Deans Ehefrau Marylou gestrickt werden. Schon bei der ersten Begegnung von Sal und Marylou wird dieses Dreieck angedeutet. Es kommt zu tiefen Blicken und - "zufälligen" - Berührungen der beiden. 
Dabei immer im Fokus: Kristen Stewart. Die Frau, die so viel Ausdruck hat wie eine Wassermelone. Während die Rolle der Marylou in der Buchvorlage nicht annähernd so viel Raum einnimmt, sehen wir im Film immer öfter in das Schlafzimmergesicht der Kristen Stewart. So kommt es auch, dass ihr Gesicht auf dem Filmplakat abgebildet wird, das von Viggo Mortensen hingegen nicht. Und das obwohl seine Rolle des Old Bull Lee (an William S. Burroughs angelehnt) um einiges wichtiger ist. Zumindest in der Version des Autors.
Die vielen gestrichenen Figuren und Szenen seien dem Film an dieser Stelle nicht einmal angekreidet. Schon die 137 Minuten des Films scheinen viel zu lang zu sein. Das Sprunghafte des Buchs funktioniert leider nicht ansatzweise in Filmversion. 
Erfreulich ist hingegen die Wahl von Tom Sturridge als Carlo Marx (an Ginsberg angelehnt), seines Zeichens Dichter und Wegbegleiter Sals (Kerouac). So sieht Sturridge seinem Vorbild Allen Ginsberg tatsächlich etwas ähnlich. Ebenfalls erfreulich ist der kurze Auftritt von Steve Buscemi, der einfach auf ewig einer meiner Lieblingsschauspieler sein wird.
Die Synchro ist jedoch nicht ganz so erfreulich. Viel zu oft passt der deutsche Text nicht auf die Lippenbewegungen und Sam Riley erhielt die Stimme von Kai Scholl aus GZSZ. Nach Möglichkeit sollte der Film wohl im O-Ton geguckt werden. Es ist sicherlich Geschmackssache, aber dauerhaft Tim Sander vor sich zu sehen und seine gewollt angestrengt kratzige Stimme zu hören, während Sal über sein Leben "on the road" spricht, ist irgendwie nervenaufreibend.

Kommentare:

  1. Der läuft gerade im Kino, in dem ich arbeite, und ich bin hin und her gerissen zwischen anschauen oder nicht. Das Buch habe ich vor kurzem gelesen, umso größer also das Interesse am Film. Aber bislang habe ich nur schlechtes gehört und du bist auch nicht begeistert. Schade, vom Trailer her fand ich ihn recht ansprechend, und Kirsten Stewart mit ihrem Drogenlook war da noch kein Störfaktor, sondern hat sich meiner Meinung nach eher im Gegenteil ganz gut eingefügt. Da wusste ich allerdings noch nicht, wie groß ihre Rolle ist. War allerdings klar, dass sie diese aus kommerziellen Zwecken ausgebaut haben.
    Würdest du den Film also auch nicht empfehlen, wenn man ihn umsonst sehen könnte?
    Und danke für den Hinweis. Mir kam die Synchro auch bekannt vor. Wirklich nicht die beste Sprecherwahl ;_;

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    1. Also wenn ich nichts für den Film bezahlen müsste, würde ich ihn mir vermutlich auch nochmal angucken. Also gib ihm mal eine Chance, vielleicht gefällt er dir ja. Wenn man ihn mal ganz losgelöst von der Vorlage betrachtet, ist es sicher auch ein nettes Filmchen. Wird mMn nur eben Kerouac absolut nicht gerecht.

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