Dienstag, Mai 21, 2013

(500) Days of Summer

Summer: There's no such thing as love, it's fantasy.

© Fox
 
| (500) Days of Summer von Marc Webb, 2009.
USA, Fox Searchlight Pictures, 95 Minuten.

Tom (Joseph Gordon-Levitt) arbeitet als Grußkartendesigner. Eines Tages trifft er auf die neue Assistentin seines Chefs. Summer (Zooey Deschanel). Tom, von der Liebe überzeugt und schon immer auf der Suche nach der Einen, erkennt in Summer eben diese. Seine eine spezielle Frau. Summer hingegen glaubt nicht an die wahre Liebe und möchte mit Männern nur befreundet sein. 
So entwickelt sich eine ungleiche Beziehung, in der nicht jeder immer das bekommt was er braucht.

Es gibt sie tatsächlich. Diese Filme, die in verschiedenen Lebenssituationen einen jeweils unterschiedlichen Eindruck hinterlassen. Bei keinem Film ist mir dies bisher so bewusst geworden, wie bei (500) Days of Summer
Beim ersten Mal schauen war ich genervt von Summer und ihrer grauenhaften Einstellung. Dass Beziehungen nicht funktionieren; dass es besser ist, "Freunde" zu sein; man das was man zu zweit hat nicht mit "Labels" versehen sollte. Für mich war Summer eine Bitch, die sich dem armen kleinen Bengel aus 1000 Dinge die ich an dir hasse gegenüber grauenhaft verhält und dieser sie keineswegs verdient.

Lange stand der Film daraufhin im Schrank. Jahre später schließlich doch noch einmal ausgepackt und siehe da: Ein nerviger kleiner Bengel, der einer Frau hinterher jagt, die offen sagt, dass sie keine Beziehung will. Aber sich dann am Ende beschweren, dass es nicht funktioniert hat. Aha. Achso. Plötzlich macht Summers Verhalten Sinn. Sie ist wohl doch keine Bitch, sondern hat ganz einfach das Geheimnis des Lebens entschlüsselt. Dass keine Beziehung für immer hält; dass es wohl tatsächlich besser ist, einfach nur "Freunde" zu sein. Und Tom ist der Idiot, der es dennoch versucht. Selbst Schuld.

Plötzlich ist sämtliche märchenhafte Vorstellung von Liebe und Beziehung dahin. Was bleibt ist ein depressiver Film mit großartigem Soundtrack. Man wird wohl doch älter.

Kommentare:

  1. Das passiert einem mit der Zeit öfter als man glaubt. Besonders auffällig ist es da, wo Emotionen adressiert werden, die man nach der Pubertät irgendwann ablegt. Deshalb ist es ja so absurd, daß viele amerikanische Teen-Horror bzw. Slasher Filme erst ab 18 freigegeben werden/wurden, weil diese eigentlich/oft für ein jüngeres Publikum gemacht sind.

    Den Film von Herrn Netz, der einen passablen Spider-Man (mit Emma Stone!) gedreht hat, müsste ich auch endlich mal sehen. Hab ihn aber nicht. Ob er zum Thema nun wirklich neue Erkenntnisse liefert? So wie du es beschreibst, haben im Grunde beide recht. Denn wenn man nicht befreundet sein kann, hat man sich evtl. wenig zu sagen, wenn der erste Kick flöten geht, was viele für das Ende einer Liebe halten. Vielleicht darf man es wirklich nicht Liebe nennen, sondern Symbiose.

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  2. Oha, das klingt ja deprimierend! ;) Aber du hast Recht. Tom ist ein ignoranter Trottelkopf und hätte mal richtig hinhören sollen, was Summer so von sich gibt. Trotzdem oder auch deswegen fand ich die Expectations/Reality-Szene echt tieftraurig und perfekt. Das ist ne gute Art von depressivem Film.

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  3. "The (500) Days of Summer attitude of 'He wants you so bad' seems attractive to some women and men, especially younger ones, but I would encourage anyone who has a crush on my character to watch it again and examine how selfish he is. He develops a mildly delusional obsession over a girl onto whom he projects all these fantasies. He thinks she’ll give his life meaning because he doesn’t care about much else going on in his life. A lot of boys and girls think their lives will have meaning if they find a partner who wants nothing else in life but them. That’s not healthy. That’s falling in love with the idea of a person, not the actual person."
    Joseph Gordon-Levitt

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    1. Das ist das ganze Problem von Liebe zusammen gefasst. Der gute Joseph..

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  4. Ok Schätzelein, jetzt, wo ich den Film gesehen habe, muß ich dir eigentlich richtig widersprechen. Das mag an der Ambivalenz liegen, die du verspürst, das mag an meiner Vorbelastung durch Jess liegen oder was auch immer. Ich glaube, daß Summer ihn wollte und vielleicht viel mehr den einen gesehen hat, als er die eine. Ich sehe in ihrer Art einen Schutzwall, einen Test. Ich finde, Tom hat es verkackt. Aber er wächst auch daran, auf seine Weise. Ist das Ende happy oder realistisch? Ich weiß nicht, ob ich doch nur auf Hollywoodstrukturen konditioniert bin, aber ich war vor allem etwas traurig, weil ich den beiden gewünscht hätte, daß es klappt. Ist der Film nicht statt depressiv eher auch ein Zwang sich mit den eigenen Mustern auseinander zu setzen?
    Danach habe ich übrigens noch Up in the Air geschaut. Noch besser. Und zufällig ein passender Anschluß zum Thema Casual mit für Reitman typischen Verflechtungen von Sozialethik. Am Anfang hätte ich gedacht, Richard Gere wäre die treffendere Besetzung für so einen Schmierlappen gewesen, aber Clooney passt dann doch mit der Zeit sehr gut. Die besten 3,50 €, die ich in letzter Zeit für eine Gebraucht-DVD investiert habe. Kennst du?
    Achja und... PENIS!

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    1. Vielleicht finde ich Summers Verhalten mittlerweile auch nur deswegen so einleuchtend und Tom in seinem so dumm, weil ich Summer in dem Punkt einfach wahnsinnig ähnlich bin, obwohl ich diesen Punkt eigentlich total bescheuert finde. Dass Tom es verkackt hat, steht eigentlich außer Frage. Statt mit leerem Blick durch die Gegend zu laufen und von der großen Liebe zu träumen, hätte er eben mal was machen sollen. Aber wer macht schon was. Vor allem wenn die Frau ständig rumnörgelt, dass sie keine Beziehung will.
      Ich finde es allerdings sehr gut, dass es am Ende nicht geklappt hat. So ist es eben meistens.

      Up in the air. Kenne ich. Lange nicht gesehen. Aber ich weiß, dass ich Clooney sehr gut darin fand. Und ich glaube, ich war nach Gucken etwas verstört, weiß aber nicht mehr wieso. Muss ich wohl nochmal schauen.

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    2. Wird bestimmt seinen Grund haben, warum ich dich so bezaubernd finde. Und wegen des Endes, naja, normal schätze ich einen gewissen (zynischen) Realismus ja auch. Vielleicht hätte ich es aber gern gesehen, daß es funktioniert, weil es eben meistens nicht hinhaut. Wann findet man denn jemanden, dessen Interessen so harmonieren? Deshalb ist das Mädel in True Romance z.B. ja auch eher ein Wunschtraum, jedenfalls das zu Anfang. Es ist ja andersrum das Problem, wenn man sich jetzt auf anderer Basis "gefunden" hat, warum sei jetzt mal dahingestellt, weil der Einstieg ja oft schon ein Kompromiß "weil grad eben da" ist, sich mit der Zeit ein Partner zu kurz gekommen fühlt.

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