Sonntag, März 22, 2015

You know you could I wish you would

Vor bald fünf Jahren setze sich eine kleine Judith an einen Laptop und verfasste ihren ersten Blogbeitrag. U20 und noch grün hinter den Ohren wurde ab diesem Zeitpunkt über alles und sämtliches geschrieben, was den Alltag ausmachte. 

Lese ich mir heute diese Posts von damals durch, frage ich mich die meiste Zeit, wie ich diese Texte überhaupt verfassen konnte, die meisten sind furchtbar geschrieben und erzählen Unwichtigkeiten aus einem jungen Leben, die doch niemanden wirklich interessieren können. Und. Wer liest sowas überhaupt? Bis heute überrascht es mich, dass es wirklich Menschen gab und gibt, die diesen Gehirnbrei gelesen haben. Und das über einen recht langen Zeitraum hinweg. Mit einigen Menschen dieser verrückten Leserschaft pflege ich noch heute Kontakt und bin froh darüber. So bekam ich immerhin die Gelegenheit, in netter Gesellschaft Paris und Amsterdam innerhalb einer Woche zu erkundigen. 

Was ist passiert seit meinem ersten Blogpost am 09.April 2010. Abitur, Studium, Studiumabbruch, ein neues Studium, zwei Umzüge, fünf Geburtstage, Freunde, Menschen, Blurays, Parties, Festivals, Serien. Und dann noch dieses Jahr: der Studienabschluss.

Es ist verrückt, wie wenig ich der Mensch bin, der ich im April 2010 war. Das Leben das ich zu diesem Zeitpunkt geführt habe, entspricht zu ungefähr 5% dem Leben, das ich heute führe. Es macht mich fast fuchsig, wie doof ich zu diesem Zeitpunkt war und wäre es möglich, ich würde so vieles nachträglich ändern. 

Es sind nur fünf Jahre seit jenem Tag im April vergangen. Fünf Jahre erscheinen als eine wahnsinnig kurze Zeit. Wie ist es überhaupt möglich, dass in fünf Jahren so viele Dinge passieren können? In weiteren fünf Jahren gehe ich scharf auf die 30 zu und ich wüßte heute schon zu gerne, was im Jahr 2020 passieren wird. Lese ich in fünf Jahren diesen Post und ärger mich darüber, für wie schlau ich mich 2015 hielt, obwohl ich doch erst heute, im Jahre 2020, wirklich von mir sagen kann, dass ich die finale Judith-Version bin? Gibt es überhaupt eine finale Version einer Person oder sind wir tatsächlich gezwungen, unser ganzen Leben reflektierend darüber nachzudenken, wann wir tatsächlich "richtig" sind oder waren? Gibt es Menschen, denen so etwas Spaß macht? Mich machen diese Gedanken eher nostalgisch und knautschig, weil mir Fehler bewusst werden, die einfach hätten umgangen werden können. Ein wenig Angst kommt auch dazu. Was mir früher noch recht und richtig erschien, erscheint mir heute dumm und blöd. Was, wenn ich in fünf Jahren die Dinge dumm und blöd finde, die ich heute für vollkommen normal und wunderbar erachte? So dreht sich der Gedankenkreisel weiter und zieht mich immer tiefer in den Abgrund. Jetzt noch eine Folge Six Feet Under und ich könnte mich direkt erschießen.

Zeit ist etwas sonderbares.
Zeit, eine Folge Friends zu schauen. Denn manche Dinge ändern sich eben nie.

Kommentare:

  1. Heute wie damals freue ich mich über deine Blogeinträge, weil du immer schön auf den Punkt bringen kannst, was auch mir durch den Kopf geistert, wofür ich aber so schwer Worte finde. Nicht ohne Grund habe ich bislang jeden Post von mir gelöscht, eben weil ich im nachhinein gedacht habe: Gute Güte, sowas kann ich nicht stehen lassen. Wie peinlich ich war. Manchmal ärgere ich mich darüber. Du kannst immerhin auf deine Ergüsse zurückblicken, selbst wenn sie dir peinlich sind - ich kann das nicht. Warum ist man immerzu darum bemüht, einen Teil von sich zurückzulassen? Bloß weil ich um nichts in der Welt wieder so sein möchte wie früher, gerade was Unsicherheit und Ängste und Zweifel und all den Kram angeht, die damals in noch größerem Maße vorhanden waren als jetzt - zumindest komme ich heute schneller über gewisse Dinge hinweg, glaube ich (was freue ich mich auf das Altwerden und diese altersbedinge Gleichgültigkeit - einfach in Ruhe runzelig sein und mit den anderen alten Mädels nachmittags bei einem Kaffee sitzen, während sich die jungen Leute mit ihren Existenzängsten zermürben). Warum kann ich mich nicht trotzdem gerne daran erinnern? War ja nicht alles blöd an einem, irgendwas bewahrt man sich immer von der Person, die man mal war. Die Coolness zum Beispiel. Die hängt dir vom ersten bis zum letzten Post an. Ganz konsequent. Lass dir das gesagt sein.
    Ach, und irgendwie ist es doch ganz gut, Dinge plötzlich doof zu finden. Vielleicht findet man sie doof und dann wieder gut, nur aus einem anderen Blickwinkel eben.

    Wie schön, dass wir Gleichaltrigen doch irgendwie alle im selben Boot sitzen.

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  2. Schön von dir zu lesen :) Und dann noch mit so einem netten Kommentar, das hat meinen Tag direkt erhellt, vielen Dank dafür!

    Ja, dass es vielen Leuten in dem Alter so geht, das stimmt. Und das ist auch gut so. Stell dir mal vor, man hätte solche Gedanken alleine und alle anderen würden für immer in ihrem Sein feststecken und überhaupt nicht verstehen, dass man selbst sich total verändert mit der Zeit. Was für ein stressiges Leben das wäre.
    Ich finde es übrigens sehr schade, dass du alle deine Einträge von früher gelöscht hast.. Das machen aber irgendwie wirklich viele Leute.. Neulich habe ich in ein paar Blogs gestöbert die ich immer verfolgt habe und bei den meisten sind Einträge >einem Jahr schon längst gelöscht. Dabei lese ich so gerne Sachen aus der Vergangenheit.. deswegen werde ich meine Tagebücher vermutlich auch nie verbrennen, obwohl sie wahnsinnig peinlich sind :D

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  3. Du kannst sehr stolz darauf sein dass du diesen Post geschrieben hast.

    Solange du unterm Strich Judith + Erfahrung bleibst kann dir nichts passieren, weil du soweit ich weiß unzerstörbar bist. Hau rein und "[...] schnapp sie dir!" (Ash Ketchum)

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    1. Aus dir wird man heutzutage auch nicht mehr schlau.. Ist das Woifi + Erfahrung?

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  4. Also ich wusste schon damals, welch Lichtgestalt du in Zukunft noch sein wirst und deshalb mag ich dich schon heute immer noch.

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