Ich habe ein neues Narkosemittel. Wer zuerst aufwacht, hat gewonnen.
|Dogtooth von Yorgos Lanthimos, 2009
Griechenland, Boo Productions, 96 min.
Eine eigene kleine Welt, bestehend aus Haus und Garten, getrennt durch einen riesigen Gartenzaun vom Rest des Universums. Eine Welt, in der drei fast erwachsene Kinder isoliert erzogen werden und aufwachsen. Hier werden Worte wie Explosion, Telefon oder Autobahn mit einer vollkommen neuen Bedeutung erklärt; gebären Frauen Hunde und werden Katzen zu den bedrohlichsten Tieren gezählt. Niemals haben die Kinder einen Fuß vom Grundstück gesetzt, da die restliche Welt hinter dem Gartenzaun gefährlich und böse ist.
Die einzige Verbindung zur Außenwelt ist Christina, eine Mitarbeiterin des Vaters, die manchmal Nachhause gebracht wird, um die aufkeimende sexuelle Begierde des Sohns zu befriedigen. Durch die junge Frau bekommt die scheinbar perfekte Welt aber auch erste Risse..
Ich dachte, ich hätte in meinem Leben schon einige kranke Sachen gesehen, aber dieser Film toppt einfach alles. Gewalt, Psychospielchen, Inzest. Wenn man sich diese Mischung betrachtet, verwundert es nicht, dass Griechenland pleite ist :D
Es gibt wenig Dialog, kaum Musik und Kamerabewegung. Selbst während der Dialoge verweilt die Kamera auf einem Sprecher. Man hört den Gesprächsteilnehmer so oft nur aus dem off und mehr als einmal wundert man sich, wenn plötzlich noch mehr Stimmen zu hören sind und klar wird, dass noch weitere Leute im Raum sitzen.
Was ich mich den ganzen Film gefragt habe, ist, wieso die quasi erwachsenen (!) Kinder nicht das Verlangen haben, die Welt außerhalb des Gartenzauns zu erkunden. Vermutlich kann ich mich einfach absolut nicht in die Situation versetzen.
Leider hat der Film das hässlichste Digipack aller Zeiten. Auch die Synchronisation ist teilweise unter aller Sau, weil alle Stimmen dauerhaft so klingen, als würden sie wirklich aus dem off gesprochen werden. Viel zu laute Stimmen bei fehlender Lippensynchronisation und komischen Sprechpausen. Ich habe es überprüft, im Original klingt es nicht so komisch, aber leider habe ich da kein Wort verstanden.
Ein interessanter Film, in den man vermutlich wieder viel mehr reininterpretieren kann, als man müsste. Ich verstehe den Film als eine Warnung an übermotivierte Eltern, die meinen ihre Kinder vor dem Grauen der bösen Welt beschützen zu müssen und sie deswegen nicht "von der Leine lassen" (haha, welch passender Vergleich im Bezug zum Titel). Dieses Grauen kann ganz schnell in die eigenen vier Wände einziehen und dann hat man sein Kind nicht darauf vorbereitet und schickt es dadurch quasi direkt in den Abgrund (überspitzt gesagt).
Und was haben wir durch diesen Film gelernt? Ein Zombie ist eine kleine, gelbe Blume.






