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Samstag, Mai 25, 2013

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 10

Heute: Die Todesstrafe

William, Billy, Van Poyck wird am 12.06.2013 um 18 Uhr vom Staate Florida hingerichtet. Für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat.
Seit die Todesstrafe im Jahr 1976 in den USA wieder eingeführt wurde, kam es zu 1332 Hinrichtungen. Mindestens 142 Menschen unter ihnen waren nicht schuldig. 

1988 wurde Billy zur Todesstrafe verurteilt. Billy und sein Mittäter Frank Valdes unternahmen den Versuch, einen Gefangenen aus einem Gefangenentransport zu befreien. Dabei wurde ein Officer von Valdes getötet. Die beiden wurden unter der Felony murder rule zum Death Row verurteilt. Sobald bei einem Kapitalverbrechen ein Mensch getötet wird, sind alle Beteiligten des Verbrechens automatisch des Mordes schuldig. Selbst dann, wenn nur einer der Beteiligten einen anderen Menschen tötet und dies unter Umständen vielleicht sogar aus Notwehr geschieht. 

In Bills Fall wurde er während seiner Trials nie tatsächlich für das Verbrechen überführt. Und doch soll er am 12. Juni für eben dieses sein Leben verlieren. Jemand erzählte der Jury, dass er der Schütze gewesen sei. Diese glaubte der Aussage und verurteile Bill dadurch zum Tode. Dass dies mittlerweile als falsch angesehen wird und Bills Unschuld im Zusammenhang mit dem Tod des Officers eindeutig nachgewiesen wurde, hinderte Floridas Governor Rick Scott nicht, am 3. Mai diesen Jahres, die endgültige Todes Berechtigung (death warrant) zu unterzeichnen und so dem Leben Billys ein Ende zu setzen. Sein Kumpane Frank Valdes wurde übrigens bereits 1999 von den guards im Florida State Prison zu Tode geprügelt.

Schon lange habe ich einen Brieffreund in einer der Death Row Zellen der Polunsky Unit in Texas. Texas ist der Staat mit den strengsten und engstirnigsten Gefängnisauflagen und -regeln. Die Inhaftierten verbringen 22 Stunden des Tages in ihrer 4qm Zelle ohne jeglichen Kontakt zu Mitgefangenen.
Seit 17 Jahren sitzt mein Brieffreund im Knast, weil er aus Notwehr einen Menschen getötet hat. Seit 17 Jahren wartet er nun auf seinen endgültigen death warrant. 

Wie fast 90% aller Insassen ist auch er schwarz, kommt aus dem Ghetto und kann sich keinen richtigen und kompetenten Rechtsbeistand leisten. Die hiesigen Pflichtverteidiger sind vom Staat gestellt, oft faul und haben kaum bis gar keine Lust, sich in einen Fall hineinzuarbeiten um ihre Mandanten richtig beraten und vertreten zu können. In den seltensten Fällen wird das Urteil revidiert und von death row zu lebenslänglich geändert. 
Tatsächlich ist es für den Staat sogar günstiger, alle seine Gefangenen lebenslänglich im Gefängnis verschimmeln zu lassen, als sie nach vielleicht 30 Jahren einmal umzubringen. Die vielen Verfahren und Menschen die dafür angestellt werden, verschlingen wahnsinnig viel Geld.
Wem ist damit geholfen, einen Menschen umzubringen, weil er einen anderen Menschen umgebracht hat? Aus diesem Umstand resultiert eine ewige und unendliche Gewalt- und Leidenskette. Manch ein Angehöriger des Opfers wünscht sich "Gerechtigkeit". Sie haben einen Menschen verloren und wollen den leiden und bluten sehen, der dafür verantwortlich ist.
Ja, die Angehörigen des getöteten Opfers sind traurig, dass ihr Freund oder Sohn getötet wurde. 
Ja, die Angehörigen des getöteten Insassen sind traurig, dass ihr Freund oder Sohn getötet wurde.
Wie will man diesen Angehörigen nun die "Gerechtigkeit" bringen? Den Henker töten? Immerhin ist er es, der dafür verantwortlich ist, dass sie einen geliebten Menschen verloren haben. 
Aber Verzeihung! Für diese Menschen hat es keine "Gerechtigkeit" zu geben.

Warum wächst überhaupt in so vielen Menschen der Wunsch, einen anderen Menschen tot sehen zu wollen? "Auge um Auge". Erhalten sie dadurch ihr Auge wieder zurück?
Ist es nicht viel besser, Menschen auf ewig hinter Gitter zu sperren, statt sie eines Tages von ihrem Leid zu "erlösen" und zu töten? Natürlich muss ein solches Urteil dann auch rigeros eingehalten und durchgeführt werden. Eine Entlassung nach 5 Jahren wegen guter Führung ist nicht zweckdienlich. Genauso nicht zweckdienlich ist die Todesstrafe. 
Befürworter heben den "Abschreckungsfaktor" hervor. Nein. Dieser Faktor existiert nicht. Staaten, in denen die Todesstrafe abgeschafft wurde, haben teils eine niedrigere Mordrate als zuvor (Beispiel Kanada). Abschreckung bedeutet nichts anderes, als die Verbrechen anderer vorzubeugen. Ein Mensch sollte für seine eigenen Verbrechen belangt werden. Nicht für die, die andere Menschen vielleicht unter Umständen begehen könnten.
Und was ist das überhaupt für ein Ursache-Wirkung-Prinzip? Die Verbrecher sehen: 'Oh. Es ist unter gewissen Umständen in Ordnung, Menschen zu töten. Dann kann ich das ja auch machen.' Doch wer sieht sich überhaupt in der Lage, diese "gewissen Umstände" definieren zu können? Wieso darf der Staat Menschen töten und der Bürger darf es nicht?

Ich möchte an dieser Stelle nicht die Verbrechen verschweigen oder kleinreden, die viele der Verurteilten zweifelsohne begangen haben. Ein Verbrechen gehört immer bestraft. Nur Mord mit Mord zu bekämpfen macht einfach keinen Sinn.

Man kann nicht nur nichts machen und stillschweigend aktzeptieren, dass ein unschuldiger Mensch ermordet wird. Man kann helfen. Es gibt eine Petition für William Van Poyck. Ein kleiner Versuch, sein Leben zu retten.

Das Todesurteil ist menschenunwürdig und gehört abgeschafft. 

Für weitere Informationen:
Billys Blog (bestehend aus den Briefen an seine Schwester)

Freitag, März 29, 2013

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 7

Aus gegebenem Anlaß an dieser Stelle mein Beitrag zum Karfreitag und dessen Tanzverbot aus dem letzten Jahr. Hat ja nichts an seiner Aktualität verloren.
Heute: Das Tanzverbot

Jedes Jahr die gleiche Schose: es ist das Karwochenende und die Regierung möchte die Menschen nicht tanzen sehen und verbietet deswegen öffentliche Tanzveranstaltungen.

Das folgende wird geschrieben unter der Voraussetzung, dass Jesus Christus am gestrigen Tag vor 2012 Jahren gestorben ist und das Evangelium, so wie es in der Bibel steht, die Wahrheit darüber erzählt wie und warum es geschah.

An Karfreitag sollst du trauern. Freude wird nicht gerne gesehen. Die logische Konsequenz dessen ist also, ein Tanzverbot auszusprechen. 
In einer Diskussion sagte man mir, dass das Verbot ja eeeigentlich vielleicht eher für den Alkoholkonsum gelte. Schließt man Discotheken, betrinken sich weniger Menschen und hauen wenigstens nicht an dem Tag an dem sich Jesus für gerade diese Menschen opferte, sinnlos auf den Putz. Da stellt sich natürlich die Frage, warum Bars und Kneipen nicht geschlossen werden. Und die wahren Feierwütigen brauchen auch keine Disothek um sich zu betrinken. Dafür braucht es nur den billigen Wodka von der Tanke und irgendein Plätzchen. Ist tatsächlich irgendjemand der Meinung, der Karfreitag halte die Menschen davon ab, sich sinnlos zu betrinken?
Wieso denkt man: Jesus ist tot. Ich bin traurig und verstecke mich im Schrank. Anstatt sich zu sagen: Jesus ist gestorben, weil er es wollte. Weil er nur dafür auf die Welt gekommen ist. Um allen Menschen ein Leben ohne Sünde zu gewährleisten. Klingt doof, aber ja: Jesus ist gerne für die Menschen gestorben. Er hat seine Wunder vollbracht - es wäre sicher ein leichtes gewesen, vom Kreuz hinabzusteigen und allen in den Hintern zu treten. Aber er hat es nicht getan. Statt dass man sich daran erfreut und sich denkt: Geil, Jesus ist für mich gestorben! Ich will tanzen und mich freuen! sitzen sie in ihren Kämmerchen. 
Stattdessen verbietet man es. Man verbietet auch Tanzdemos. Man verbietet Tanzdemos im 21. Jahrhundert. Die DDR gibt es nicht mehr, aber kommt. Wir verbieten Demonstrationen.
Das ist so eine dämliche Doppelmoral. Livemusik ist nämlich erlaubt.
Kein Schwein kann den genauen Karfreitag datieren. Genau wie keiner Weihnachten genau datieren kann. Diesen ganzen Symbolismus kann ich nicht nachvollziehen. 'Du darfst heute kein Fleisch essen! Weil es ist böse und das machen wir nicht, weil es ist ein Symbol für irgendetwas!' Wenn Menschen aus Überzeugung auf irgendetwas freiwillig verzichten, sei es Fleisch oder Alkohol oder das Tanzen, dann sage ich: sau geil! Das finde ich wirklich gut. Aber es nur zu machen, weil es vorgeschrieben wird, da frage ich mich nur: warum?
Deswegen finde ich auch den ganzen Katholizismus so beschränkt. Du hast deinen Mann betrogen, 500€ geklaut oder dir illegal Filme runtergeladen? Bete 15 Ave Maria und spiele mit deinem Rosenkranz, DANN bist du erlöst und Jesus liebt dich wieder. In der Oberstufe hat mein Relilehrer (und Pfarrer!) mir beigebracht, dass man nichts machen muss um von Jesus geliebt zu werden. Und ich glaube nicht, dass er etwas dagegen hat, wenn ich an Karfreitag tanze.
Den größten Vogel schießt aber - wie so oft - Die Welt ab: 

Zunächst einmal ist es verlogen, dass die Jux-Säkularisten zwar die Annehmlichkeiten der Arbeitsbefreiung am christlichen Feiertag in Anspruch nehmen, aber dessen religiösen Gehalt aktiv bekämpfen wollen.
Ähm. Ok. Hm. Ich arbeite über die christlichen Feiertage. Also darf ich dann auch tanzen?

Es würde die Gottlosigkeit deutlich attraktiver machen, wenn Atheisten wenigstens an einem Tag im Jahr zu jener kollektiven Trauer fähig wären, der sich Christen in der Karwoche unterziehen.
Schön gesagt. Werdet endlich attraktiver, liebe Gottlosen! Trauert kollektiv mit, auch wenn es euch überhaupt nicht juckt. Trauert, um dem Durchschnittsdeutschen zu zeigen, wie attraktiv die Gottlosigkeit wirklich ist. Großes Kino.

Ich hatte gestern einen schönen Abend mit meinen Freundinnen. Wir haben es sogar gewagt zu lachen. Und einmal haben unsere Gliedmaßen gezuckt und es sah kurz aus, als würden wir tanzen. 
Aber liebe Die Welt-Redaktion, es tut uns leid und wir schämen uns.
Hauptsache Livemusik ist trotzdem erlaubt. Da tanzen Menschen ja nicht. Und sollte sich jemand bewegen, heben wir ein Schild hoch. Auf dem wird dann dick Ketzer stehen.

Mittwoch, August 29, 2012

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 9

Heute: Der Zufallsunterschied und sein Konjunktiv
 
"Krass, dass du das machst. Ich könnte das nicht."
"Ich könnte nicht normal mit denen umgehen. Ich hätte viel zu viel Mitleid." 
"Man hätte den Leuten doch total viel ersparen können, hätte man vorher Bescheid gewusst und einfach abgetrieben."

Solche und ähnliche Aussagen höre ich immer dann, wenn in einem Gespräch das Thema aufkommt, was man denn beruflich / studentisch so mache.
Seit einem Jahr arbeite ich nun in der Behindertenhilfe. Zunächst war ich in einer Pflegegruppe für Kinder und Jugendliche in einem Wohnheim. Die letzten vier Monate verbrachte ich schließlich in einer Werkstatt mit Erwachsenen ab 23 Jahren.

Konjunktiv. Wer sagt, er könne nicht mit Menschen mit Behinderung umgehen oder gar arbeiten, hat es meist nicht versucht. 
Das einzige was viele Leute von Behinderten mitbekommen, ist oft das, was sie auf der Straße sehen. Da ist eine Mutter mit ihrem Down-Syndrom-Kind unterwegs und muss sich dem mitleidigen Blick der Mitmenschen aussetzen. Natürlich ist das Kind fröhlich und am lachen. Doch das "Mongogesicht" und die Körpergröße zeigt, dass etwas mit dem Kind nicht stimmen kann. Was für ein Stress ein Kind großzuziehen das auf ewig geistig zurückgeblieben sein wird und dessen Wortschatz manchmal auch nur aus 15 Wörtern besteht. Wer kann das schon wollen?

Das erste und vermutlich auch wichtigste was ich in meiner Zeit gelernt habe, ist Vorurteilen, gesetzen Meinungen und Klischees noch weniger Glauben zu schenken, als ich es ohnehin schon tue. 
Einer der urigsten Männer meiner Werkstatt hat das Down-Syndrom. Er ist immerzu fröhlich und jeder mag ihn. Wenn ich ihn sehe, könnte ich ihn den ganzen Tag knuddeln und über den Kopf tätscheln.
Eine der grummeligsten Frauen meiner Werkstatt hat das Down-Syndrom. Sie ist immerzu schlecht gelaunt, mürrisch und grummelig. Spricht man sie an, schaut sie böse, zeigt den Mittelfinger oder brummt etwas in ihren imaginären Bart.
Ich finde es schauderhaft, wenn ich mitbekomme wie eine fremden Person einer Mutter auf der Straße sagt, wie schön sie es fände, wenn Eltern ihre Down-Kinder groß ziehen. Sie sind schließlich immer so ein Sonnenschein und nur am lachen.
Natürlich trifft das auf viele Down-Kinder zu. 
Natürlich trifft das auf viele gesunde Kinder zu.

Liebe Frauen. Lasst euch in den Voruntersuchungen einer Schwangerschaft gut untersuchen. Sollte eine Behinderung festgestellt werden. Treibt ab. Ihr erspart der Welt so viel Stress und Anstrengung. Man könnte den Leuten schließlich so viel ersparen.
Wem soll eigentlich etwas erspart werden? Der Umwelt?
In meinem ganzen Leben ist mir noch nie so viel Herzlichkeit und Wärme begegnet wie in diesem einen Jahr. 
Wenn man nach einem Monat zum ersten Mal wieder in die Pflegegruppe geht, der 10-jährige Junge einen sieht und sich so freut einen endlich mal wieder zu sehen, dass er im Rolli mit festgezogenen Bremsen anfängt hin und her zu schwingen, um irgendwie ein kleines Stückchen vorwärts zu kommen und sich dabei totlacht, freut und in die Hände klatscht, kann man nur noch hinstürmen und ihn abknutschen.
Von meiner Aufnahmebestätigung der Uni erfuhr ich via Handy und Internet morgens bei der Arbeit. Jeder bekam mit wie dermaßen froh und glücklich ich war, endlich zu wissen, wie es nach diesem Jahr weitergeht. Jeder freute sich so sehr mit mir, als wäre er selbst angenommen worden.

Nie wurde mir so oft und ernst gemeint gesagt, dass man mich gerne hat und traurig ist, wenn meine Zeit vorbei ist. Wenn gesunde Menschen auch nur annähernd so herzlich und ehrlich wären wie Menschen mit Behinderung, wäre die Welt ein so viel freundlicherer Ort.

Manchmal gibt es diese Tage, an denen ich einige der Beschäftigten an die Wand klatschen könnte. Da muss ich nach einer langen Nacht morgens um 8.30h zum 500. Mal erklären, wo die Frankierung auf den Briefumschlag geklebt werden soll. Oder ich muss stundenlang diskutieren, bis endlich eingesehen wird, dass jetzt gearbeitet wird und genug Mensch ärger dich nicht gespielt wurde.  
Manchmal gibt es diese Tage, an denen ich einige Menschen dieser Welt gegen die Wand klatschen könnte. Da muss ich nervige Kinder im Bus ertragen oder kläffende kleine Hunderatten und deren Besitzer.

Eine Behinderung ist keine Krankheit, sondern eine individuelle Lebensform.

Donnerstag, Juni 07, 2012

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 8

Heute: Die Wahrnehmung
 
Vor kurzem lernte ich Angela und Campino kennen. Das besondere an diesen Menschen ist der einfache Fakt, dass sie für mich selbst nicht sichtbar sind.
Ich arbeite seit kurzem in einer Werkstatt für Menschen mit körperlicher und / oder geistiger Behinderung. Eine meiner Betreuten dort stellte mir schließlich Freunde vor. Unter diesen "Freunden" befindet sich auch Campino, der Sänger der Toten Hosen in einer (vermutlich) etwas gewalttätigeren Version. Campino ist dabei keineswegs wirklich ein Freund, da er immer wieder sprachlich und körperlich ausfallend und aggressiv wird - auch gegenüber anderer Freunde wie Thomas Anders von Modern Talking. Seit die betreute Person die Toten Hosen nicht mehr hört, kommt immer wieder Campino vorbei und beschimpft sie und Anders - weil Modern Talking nun eher im CD-Spieler läuft.
Eine unheimlich skurille Situation für jemanden wie mich, der vor Jahren und teilweise auch heute noch ganz gerne die Hosen hört. Zu hören, wie Campino die Person beschimpft und schlägt ist irgendwie verrückt. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass es allgemein als verrückt angesehen wird, Menschen zu sehen, die eigentlich nicht da sind. 
Manchmal sitzt sie an ihrem Tisch, verrichtet ihre Arbeit und murmelt dabei vor sich hin und erzählt von ihrem Tag und lädt (unsichtbare) Menschen dazu ein, öfter in der Werkstatt vorbei zu schauen.
Macht sie das nun automatisch zu einem verrückten oder geisteskranken Menschen? 
Bin nicht letztlich ich die Geisteskranke und Verrückte, weil ich diese Menschen nicht sehen kann? Fehlt mir am Ende einfach irgendein Gen oder eine Verzweigung im Gehirn, der mir eben das ermöglicht - nämlich wirklich alles auf dieser Welt sehen zu können?

Man kann seinen Augen nicht immer trauen. Jeder Mensch sieht die Welt um sich herum anders. Es ist unglaublich, wie sehr man sich in der Wahrnehmung unterscheidet. 
Ein blinder Mensch hört Dinge, die ein sehender Mensch teilweise nie hören würde. 
Hunde sind rot-grün-blind.
Bei meiner vorherigen Arbeitsstelle gab es grüne Windeln, die die meisten meiner Kollegen als blau empfanden. 
Es gibt eine Folge der drei Fragezeichen, in der eine Tetrachromatin in Bildern voll gelbem Farbgematsche viele Dinge erkennen kann. Dort sieht sie Blumen oder auch eine nackte Frau. Viele Tiere wie Vögel oder Fische sind ebenfalls Tetrachromaten. Hier gibt es also statt nur drei Farbrezeptoren gleich vier. Dabei können mit dem vierten Rezeptor in der Farbe gelb viele verschiedenen Nuancen gesehen werden.
Schmetterlinge haben sogar fünf Farbrezeptoren.
Wer hat nun den richtigen Blick auf die Welt und kann von sich behaupten, alles so zu sehen, wie es wirklich aussieht?

Samstag, April 07, 2012

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 7

Heute: Das Tanzverbot

Jedes Jahr die gleiche Schose: es ist das Karwochenende und die Regierung möchte die Menschen nicht tanzen sehen und verbietet deswegen öffentliche Tanzveranstaltungen.

Das folgende wird geschrieben unter der Voraussetzung, dass Jesus Christus am gestrigen Tag vor 2012 Jahren gestorben ist und das Evangelium, so wie es in der Bibel steht, die Wahrheit darüber erzählt wie und warum es geschah.

An Karfreitag sollst du trauern. Freude wird nicht gerne gesehen. Die logische Konsequenz dessen ist also, ein Tanzverbot auszusprechen. 
In einer Diskussion sagte man mir, dass das Verbot ja eeeigentlich vielleicht eher für den Alkoholkonsum gelte. Schließt man Discotheken, betrinken sich weniger Menschen und hauen wenigstens nicht an dem Tag an dem sich Jesus für gerade diese Menschen opferte, sinnlos auf den Putz. Da stellt sich natürlich die Frage, warum Bars und Kneipen nicht geschlossen werden. Und die wahren Feierwütigen brauchen auch keine Disothek um sich zu betrinken. Dafür braucht es nur den billigen Wodka von der Tanke und irgendein Plätzchen. Ist tatsächlich irgendjemand der Meinung, der Karfreitag halte die Menschen davon ab, sich sinnlos zu betrinken?
Wieso denkt man: Jesus ist tot. Ich bin traurig und verstecke mich im Schrank. Anstatt sich zu sagen: Jesus ist gestorben, weil er es wollte. Weil er nur dafür auf die Welt gekommen ist. Um allen Menschen ein Leben ohne Sünde zu gewährleisten. Klingt doof, aber ja: Jesus ist gerne für die Menschen gestorben. Er hat seine Wunder vollbracht - es wäre sicher ein leichtes gewesen, vom Kreuz hinabzusteigen und allen in den Hintern zu treten. Aber er hat es nicht getan. Statt dass man sich daran erfreut und sich denkt: Geil, Jesus ist für mich gestorben! Ich will tanzen und mich freuen! sitzen sie in ihren Kämmerchen. 
Stattdessen verbietet man es. Man verbietet auch Tanzdemos. Man verbietet Tanzdemos im 21. Jahrhundert. Die DDR gibt es nicht mehr, aber kommt. Wir verbieten Demonstrationen.
Das ist so eine dämliche Doppelmoral. Livemusik ist nämlich erlaubt.
Kein Schwein kann den genauen Karfreitag datieren. Genau wie keiner Weihnachten genau datieren kann. Diesen ganzen Symbolismus kann ich einfach nicht nachvollziehen. 'Du darfst heute kein Fleisch essen! Weil es ist böse und das machen wir nicht, weil es ist ein Symbol für irgendetwas!' Wenn Menschen aus Überzeugung auf irgendetwas freiwillig verzichten, sei es Fleisch oder Alkohol oder das Tanzen, dann sage ich: sau geil! Das finde ich wirklich gut. Aber es nur zu machen, weil es vorgeschrieben wird, da frage ich mich nur: warum?
Deswegen finde ich auch den ganzen Katholizismus so beschränkt. Du hast deinen Mann betrogen, 500€ geklaut oder dir illegal Filme runtergeladen? Bete 15 Ave Maria und spiele mit deinem Rosenkranz, DANN bist du erlöst und Jesus liebt dich wieder. In der Oberstufe hat mein Relilehrer (und Pfarrer!) mir beigebracht, dass man nichts machen muss um von Jesus geliebt zu werden. Und ich glaube nicht, dass er etwas dagegen hat, wenn ich an Karfreitag tanze.
Den größten Vogel schießt aber - wie so oft - Die Welt ab: 

Zunächst einmal ist es verlogen, dass die Jux-Säkularisten zwar die Annehmlichkeiten der Arbeitsbefreiung am christlichen Feiertag in Anspruch nehmen, aber dessen religiösen Gehalt aktiv bekämpfen wollen.
Ähm. Ok. Hm. Ich arbeite über die christlichen Feiertage. Also darf ich dann auch tanzen?

Es würde die Gottlosigkeit deutlich attraktiver machen, wenn Atheisten wenigstens an einem Tag im Jahr zu jener kollektiven Trauer fähig wären, der sich Christen in der Karwoche unterziehen.
Schön gesagt. Werdet endlich attraktiver, liebe Gottlosen! Trauert kollektiv mit, auch wenn es euch überhaupt nicht juckt. Trauert, um dem Durchschnittsdeutschen zu zeigen, wie attraktiv die Gottlosigkeit wirklich ist. Großes Kino.

Ich hatte gestern einen schönen Abend mit meinen Freundinnen. Wir haben es sogar gewagt zu lachen. Und einmal haben unsere Gliedmaßen gezuckt und es sah kurz aus, als würden wir tanzen. 
Aber liebe Die Welt-Redaktion, es tut uns leid und wir schämen uns.
Hauptsache Livemusik ist trotzdem erlaubt. Da tanzen Menschen ja nicht. Und sollte sich jemand bewegen, heben wir ein Schild hoch. Auf dem wird dann dick Ketzer stehen.

Montag, Oktober 17, 2011

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 6

Heute: Das Feuilleton, Teil 2

Schon einmal habe ich mich an dieser Stelle über die hiesige Feuilleton - Szene pikiert. Heute habe ich das dringende Bedürfnis mich aus gegebenem Anlass zu wiederholen.

Seit ein paar Tagen gibt es hier einen leicht säuerlichen Artikel im Feuilleton der FAZ zu lesen. Gegenstand des Artikels von Harun Maye ist die Literaturkritik diverser Videoblogger auf Youtube. Diese "Marzipanherzenmädchen" (sic) geben in ihren Videos ihre (natürlich immer gekaufte und / oder durch das Fernsehn manipulierte) Meinung zu diversen Jugendbüchern ab. Zeitung lesen besagte Mädchen ja ohnehin nicht. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, nebenbei Videos über ihre Nagellacke zu drehen.
Der gute Herr Maye sieht sich durch diese Art der Literaturkritik anscheind höchstpersönlich auf den Schlips getreten, prangert er doch die Bücherauswahl der Youtuber als den "ganz normale(n) Bestsellerlistenschrott" an. Der renommierte Akademiker liest natürlich keine Bücher von Autoren wie Funke, Rowling oder Meyer.
Auch die Art, wie die Literaturkritik der Mädchen vorgetragen wird, passt dem Literatur- und Medienwissenschaftler gar nicht. Man spreche nur davon, ob ein Buch "flüßig zu lesen" sei. Skandal. Wo bleiben die Interpretationen zu Interpunktionen und Stilmitteln?

Meine Güte. Statt dass man sich freut, dass Jugendliche lesen, es auch noch cool finden und die Bücher sogar ihren Freunden/Abonnenten/whatever weiterempfehlen ist doch total großartig. Man mag von dem ganzen Twilight-Kram und Stephanie Meyer halten was man will. Aber sie hat junge Leute zum Lesen gebracht. Das ist doch schon mal was. 
Erst wird sich beschwert, die Jugend von heute lese nicht mehr genug und wenn sie es tut und es sogar in die Welt trägt, ist das auch nicht gut. Ich korrigiere: Es ist gut, dass sie lesen. Aber es ist nicht gut, dass sie es weitererzählen. Das solle man doch lieber den wirklichen Literaturkritikern überlassen, die Hypotaxen von Parataxen zu unterscheiden wissen und geistig täglich mit Archaismen schlafen.

Mein Lieblingsabschnitt im Artikel der FAZ ist übrigens der letzte Absatz, in dem der Wissenschaftler sein Wort quasi direkt an eins der Videobloggermädchen, Reni, richtet. Hauptsache Bret Easton Ellis wird noch schnell erwähnt. Es geht ja schließlich um junge Frauen, die neben Büchern auch Kosmetik und Klamotten konsumieren. Kein Ausgang. Den sehe ich in der elitären und hochgebildeten Welt des Feuilletons allerdings auch nicht mehr.

Um abschließend Reni zu zitieren: Es muss nicht immer Krieg und Frieden sein.

Montag, Mai 16, 2011

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 5

Heute: Der unerquickte Regaleinräumer 

Ich kann es ja besonders gut leiden, wenn ich fröhlich Regale einräume und neben mir Kunden stehen und dauerhaft suchende Geräusche von sich geben. Das geht dann ungefähr so: "Hm... schnalzgeräusche einfügen.. ach.. hmm.." 
Statt dass einfach mal gefragt wird, wo das Gesuchte steht, wollen die Leute lieber angesprochen werden. Vermutlich weil sie Zuhause zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und diese eben anders eingeholt werden muss. Es ist ja nicht so, dass ich durch die unrealistischen Zeitvorgaben von Seiten meiner Arbeitgeber schon genug unter Stress stände. Freundlich wie ich bin, frage ich aber dennoch, ob ich denn helfen könne. "Hmm. Jaaa.. Also irgendwie komme ich nicht zurecht. Haben Sie schon wieder umgeräumt?" (Es wurde seit Monaten übrigens nicht mehr umgeräumt). Leider Gottes war das gesuchte Produkt nicht mehr vorrätig und was sagt die gute Frau zu mir? "Das ist ja nicht sehr erquickend heute." Ahja. Ich muss zugeben, meine Seele erquickt dieser Laden leider auch schon lange nicht mehr. Wer erquickt werden will, soll in die Kirche gehen und nicht Kaffee kaufen.
Ab heute werde ich die Menschen in meinem Umfeld erziehen. Wer meint nur blöde Andeutungen machen zu müssen, wird gekonnt ignoriert und bekommt garantiert nicht das, was er möchte. Irgendwann wird sich das auf die ganze Welt niederschlagen und ich muss mich nicht mehr so viel aufregen. Mein Blutdruck wird es mir danken.

Aber vielleicht liegt es auch am Regaleinräumer selbst. Irgendwie ist man mit diesem Job in der Nahrungskette schon ganz unten angekommen. Die meisten Leute denken wirklich, man sei dämlich.
Da räume ich munter Reinigungsmittel ein, als eine Frau mich anspricht und fragt, wo das Nachfüllspray für solche Raumduftdinger stehe. Gar kein Probleeeem, da kenne ich mich aus. Die gute Frau ist aber nicht überzeugt, weil die Dinger nicht aussähen wie das Original (ob sie wohl verstanden hat, dass sie Nachfülldinger gesucht hat?). Da sagt sie doch tatsächlich: 
"Können Sie mir jemanden holen, der Interesse hat, hier etwas zu verkaufen?" Ja klar. Ich habe ja nichts besseres zu tun als den Bimbo für eine garstige Idiotin zu spielen. Weil ich machmal viel zu freundlich bin, hole ich also eine Verkäuferin des Hauses und was gibt sie der Kundin? Natürlich das, was ich ihr vorher auch geben wollte. Das Resultat: "Ach, vielen Dank. Genau das wollte ich haben." Schade, dass meine Blicke nicht töten oder wenigstens sehr starke Schmerzen zufügen können.

Dienstag, März 29, 2011

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 4

Heute: Das (ungewollte) Abonnement

In den Innenstädten oder vor den Bahnhöfen dieser Welt stehen immer wieder junge, flippige Kerle, die irgendwelche Menschen ansprechen. Diese netten Kerle wollen natürlich nichts verkaufen, sondern lediglich ein Gratis-Probe-Abo verschiedener Zeitschriften vorstellen, mit dem neue Zusteller auf ihre Zuverlässigkeit geprüft werden sollen. Auf misstrauische Nachfragen, wo bei der Angelegenheit denn der Haken sei, wird selbstverständlich versichert, dass es überhaupt keinen gebe - na klar. Man kann sogar noch etwas Gutes tun; ehemaligen Straftätern bei der Resozialisierung helfen (das geht bekanntlich am besten per Zeitschriftenabozustellung), armen Menschen in Afrika unter die Arme greifen oder einfach nur den großen Anzugträgern des Deutschen Video Rings die Miete zahlen.
Wie sich nämlich zwei Wochen und drei Ausgaben der ausgewählten Zeitschrift später herausstellt, hört das Gratis-Probe-Abo keineswegs nach Erhalt der versprochenen Hefte auf, sondern ändert sich dann automatisch in ein 14-monatiges Abonnement, das man selbst, wenn auch unbeabsichtigt, gekauft hat. Nach Ablauf des Wiederrufsrechts kann man selbst schließlich nicht mehr viel machen und sitzt letztlich auf der teuren Rechnung.
Als ich eines Tages von einem solchen Menschen angesprochen wurde, war ich natürlich misstrauisch, aber doch auch irgendwann angetan. Je länger man sich bequatschen lässt, desto sicherer ist es, dass du irgendwas kaufst. So war ich also bereit, meine Daten weiterzugeben, als plötzlich ein fescher junger Mann auf seinem Fahrrad neben mir hält und fragt, ob der Herr vom Deutschen Video Ring sei. Nachdem dieser bejahte, meinte der fesche Fahrradfahrer an mich gewandt, dass ich auf keinen Fall irgendetwas unterschreiben sollte, weil das alles eine einzige und riesengroße Verarsche sei.
Das Ende vom Lied ist, dass ich mich schleunigst aus dem Staub gemacht habe und bis heute unfassbar dankbar bin, dass der freundliche, junge Herr auf seinem Drahtesel sich eingemischt hat. Leider war dieser so schnell wieder weg, dass ich mich bis heute nicht bedanken konnte. Googelt man diesen Spaßverein, wird schnell klar, wie viele Menschen tatsächlich auf diese Schweinereien reinfallen.
Ich finde es unfassbar, dass mit der Naivität und "Dummheit" der Menschen gespielt und aus dieser hemmungslos Profit geschlagen wird.
Aus Fehlern lernt man und so gucke ich die meisten Menschen die mir auf der Straße irgendwas andrehen wollen nur noch böse an. Wie seriös kann eine Firma schon sein, die auf die Straße gehen muss, um den Leuten etwas zu verkaufen?

Das Gute ist, dass ich den Glauben an die Menschheit noch immer nicht verloren habe.

Dienstag, Januar 25, 2011

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 3

Heute: Der Schöhnheitswahn

Der ein oder andere hat sicher mitbekommen, dass die Pornodarstellerin Carolin Wosnitza, besser bekannt als Sexy Cora, am 20.01. gestorben ist, nachdem es während ihrer sechsten Brustvergrößerung zu Komplikationen gekommen war. Zunächst lag Cora im Koma. Als ich dann gelesen habe, dass sie gestorben ist, war ich wirklich traurig. Letztes Jahr ist Cora ins Big Brother Haus gezogen (ja, ich gucke das gerne und freue mich schon auf den Mai). So wie sie sich dort gegeben hat, fand ich sie sehr sympathisch. Und als sie ein Techtelmechtel mit einem Mitbewohner anfing, fand ich das äußerst niedlich. Entgegen vieler Erwartungen war Cora nicht dumm, sondern ziemlich clever.
Es war ihre sechste Brustvergrößerung. Mit 23 Jahren. Körbchengröße G bei einer Körpergröße von 1,57 m und einem Gewicht von 47 Kilo. Da frage doch nicht nur ich mich, was das soll. Es scheint tatsächlich so, dass viele Schönheitschirurgen noch immer nicht genug Geld haben und so durch unnütze und überflüßige Operationen viel Geld verdienen wollen.
Ja, es gibt sicher Menschen die furchtbar unglücklich mit sich selbst sind und meinen, alle Probleme lösen sich in Luft auf, sobald der gute Onkel Doktor seine magischen Hände an den Körper anlegt. Es gibt sicher auch Fälle, die zeigen, dass es Menschen dadurch tatsächlich besser gehen kann.
Das berechtigt aber nicht Sendungen wie "Extrem schön" im Fernsehen zu zeigen, in denen Menschen am Fließband operiert werden. Hier wird suggeriert, Operationen im Bereich der Zähne, der Brust, des Bauches und des Hinterns könne man im stundentakt erledigen und nebenbei noch ein Eis essen. Hat der Patient psychische Probleme, werden sich diese sicherlich nicht von heute auf morgen lösen, nur weil er fortan in einem vollkommen modellierten Körper lebt. Aber das interessiert den Zuschauer doch nicht. Wie der Patient danach lebt, wird nicht gefilmt, also exisitert dieses Leben nicht. Stattdessen nehmen wir diese Sendung als Vorbild, uns selbst auch so schnell wie möglich unter das Messer zu legen.
Ein Radiosender in Berlin hat die Zeichen der Zeit erkannt und eine Aktion gestartet, die den passenden Titel "Brust raus, Bauch rein." trägt. Wer sich hier bewirbt, bekommt vom Sender eine Brustvergrößerung oder eine Fettabsaugung spendiert. Alles was man dafür tun muss, ist ein paar Fotos seiner Problemzonen hochzuladen und morgens das Radio anzuschalten um neben Stau- und Wettermeldungen seinen Namen zu hören. Psychische Probleme? Scheiß drauf. Steckt ein paar Schläuche oder Silikonkissen in den Körper eines Menschen und saugt neben dem Fett auch gleich das Gehirn mit raus.

Donnerstag, Dezember 02, 2010

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 2:

Heute: Das Feuilleton

Jeden Montag Mittag gegen 12:15h mache ich mich auf in die heiligen Universitätshallen, um einem Seminar mit dem Titel "Formen literaturkritischen Schreibens" beizuwohnen. Dort ist der eifrige Dozent (der selbst natürlich für die verschiedensten wichtigen Tageszeitungen Deutschlands schreibt) dazu bereit, sein schier unfassbar großes Kritikerwissen an uns weiterzugeben.

Jeden Montag Mittag sitze ich da und frage mich, ob diese Leute das eigentlich ernst meinen.
Bei Literaturkritik geht es nicht darum, Literatur zu kritisieren. Nein, es geht um Namen. Die Namen der Kritiker.
Es geht um Preise. Wie oft liest man vom Ingeborg-Bachmann-Preis und ach! - wie war das skandalös, als sich Herr
Goetz
hrend seiner Lesung die Stirn aufgeschnitten hat und das Blut auf sein Manuskript tropfte. Mensch Maier, das traut sich heute keiner mehr.
Es geht darum, die meisten Hypotaxen zu benutzen. Meine persönliche Highlight-Rezension war ein Artikel, in dem sich der Autor darüber pikierte, dass zu viele Parataxen gebraucht würden. Das entspricht natürlich nicht dem akademischen Standard.
Wer keinen bekannten Namen hat, wird es schwer haben, jemals von einem Redakteur einen Platz im Feuilleton zu bekommen. Witzig, denn wie soll man seinen Namen bekannt machen, wenn man keine Gelegenheit dafür bekommt? Während sich die Literaturkritiker also untereinander gegenseitig in ihren Artikeln beleidigen, sitzt unsereins bei einem Kaffee vor der Zeitung und fragt sich, was diese Angriffe jetzt eigentlich genau mit dem Buch selbst zu tun haben, dessen Inhalt nur kurz am Rande erklärt wird, um schließlich direkt anzufangen mit Spitzen um sich zu werfen.
Aber steht ein Buch erstmal auf der Liste für einen der diversen Buchpreise, ja dann muss das Buch gut sein. Schreiben wir also eine kurze positive Bewertung, in der wir es aber nicht unterlassen, eine andere Zeitung subtil anzugreifen.
Oder wir schreiben einfach eine ganz ähnliche Rezension wie die vom Herrn R. Dann müssen wir uns nicht einmal die Mühe machen, das Buch selbst zu lesen. Mensch, die Welt kann so einfach sein.

Sonntag, November 07, 2010

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 1:

Heute: Die Quotenermittlung

5000 Haushalte werden per Zufall ermittelt und bekommen eine Quotenbox. Über 80 Millionen Menschen leben in Deutschland.
Eine Quotenbox hat verschiedene Knöpfe. Jeder der Knöpfe steht für eine Person, die im entsprechenden Haushalt lebt und TV schaut. Beschließt Person A, mittags eine Sendung zu gucken, drückt sie auf Knopf A und setzt sich. Person B kommt dazu, drückt auf Knopf B, setzt sich dazu, steht nach fünf Minuten wieder auf und verschwindet ins Nebenzimmer - Person B hat sich nicht "ausgetragen". Konsequenz: Ergebnis verfälscht.

Wie können 5000 Haushalte für eine riesige Bevölkerung stehen? Nun werden die Statistikfetischisten erbost aufschreien: "Alle Macht der Mathematik. Die Zahlen lügen nicht!"
Da frage ich mich jedoch: Inwieweit sind die Versuchspersonen tatsächlich ehrlich, was ihr Fernsehverhalten angeht? Person C setzt sich nachts vor den Fernseher und möchte ein Erotikfilmchen schauen, drückt sie auf Knopf C?
Man antwortet grimmig, dass das Programm nachts schließlich nicht von Belang sei. Es gehe nur um die wichtigen Sendungen.
Wo beginnt man und wo hört man auf? Kann man sich das ganze Prozedere nicht gleich sparen? Warum werden quotenschwache Sendungen (aktuelles Beispiel Lost) auf die unmöglichsten Sendeplätze gelegt? Schauen die Leute sie um 22:15h nicht, werden sie die Serie um 23:15h schon gar nicht gucken. Ergebnis: Noch geringere Werbeeinnahmen in der Zielgruppe. Herzlichen Glückwunsch, Kabel 1.
Inwieweit sind diverse Sender bereit, den Testpersonen einen entsprechenden Betrag auszuzahlen, wenn sie im Gegenzug ihr Programm einschalten (ja, das böse B-Wort!) ?
Inwieweit lassen sich Sender zu sehr von Quoten beeinflussen? Klar, dramatische Schicksale in diversen Castingshows sind wahre Quotenbringer. Der Zuschauer leidet und fühlt mit, ruft teure Hotlines an, um die vom Schicksal gebeutelte Person eine Runde weiter bringen zu lassen. Das eine bedingt das andere. Quantität statt Qualität.
Da lobe ich mir Sender wie den Kika und Phoenix. Dort werden die Quoten nicht gemessen, da dort tatsächlich die Qualität im Vordergrund stehen sollte - bei den restlichen Sendern sind Hopfen und Malz wohl schon verloren.
Anders kann ich mir nicht erklären, dass Serien abgesetzt werden, die eine große Fangemeinde haben und gerne geschaut werden (Beispiel Veronica Mars) und der größte
(ich kann es nicht anders ausdrücken) Scheiß weiterhin im deutschen Fernsehn laufen darf. Man gebe mir eine Box, ich werde die Quoten revolutionieren!

Und ich erwähne es gerne nochmal: 5000 Haushalte auf 80 Millionen Menschen.