Posts mit dem Label Streitschrift werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Streitschrift werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, April 03, 2015

Für ein Spaßverbot, denn die Gesellschaft ist krank!

Es ist ja wieder einmal dieser Tag. Dieser Freitag an dem nicht getanzt werden darf. Dieser Karfreitag. Ich hatte nicht einmal vor, mich in diesem Jahr schon wieder zu beschweren. Es bringt ja doch nichts und ohje, der Blutdruck! Doch dann kam Matthias Matussek und sein Artikel in Der Welt. Der Artikel ist so grausam schlecht, dass man ihn einfach auseinander nehmen muss. Hier der Artikel.

"Sie tanzen aus Prinzip. Um gegen das Tanzverbot zu protestieren. Und meistens sprechen sie schwäbisch. Oder sie berlinern und tragen schwarze Halstücher, was genauso grausam ist."
Grausamer als dieser Artikel? Und wieso trifft eigentlich keines dieser Merkmale auf den Großteil derer zu, die das Tanzverbot scheiße finden?

"So ganz individuell sind sie nicht, immerhin bekennen sich zwei Drittel unserer Gesellschaft als kirchensteuerzahlende Christen, die am Karfreitag den Tod unseres Herrn am Kreuze betrauern."
Und jetzt bitte Hand hoch, wer von diesen kirchensteuerzahlenden Christen heute den Tod unseres Herrn am Kreuz betrauert.
 
"Dem jungen Liberalen dagegen, der diesen Pressetext formuliert hat und sich durch das Tanzverbot nicht nur in seiner persönlichen, sondern auch individuellen Freiheit eingeschränkt fühlt, möchte ich nicht im Dunkeln begegnen." 
Weil jeder Mensch, der sich gegen das Tanzverbot ausspricht automatisch höchst aggressiv ist und nachts nur mit Baseballschläger rumläuft und Menschen kaputt haut?

"Wer so was schreibt, verkennt die Realität in monströsem Ausmaß und tanzt schlecht."
Welche Realität genau? Die Realität darüber, dass Kirche und Staat eben doch nicht voneinander getrennt sind?
Alle Menschen, die gerne tanzen und sich nicht vorschreiben lassen wollen, an welchen Tagen sie tanzen dürfen, tanzen automatisch schlecht?
Und selbst wenn.... was ist falsch daran schlecht zu tanzen? Doch wenn schon scheiße tanzen, dann so dass die ganze Welt es sieht. Höhö.. Die Welt. Sie verstehen?

"Nun ist eine Gesellschaft, die Trauer nicht erträgt, sei es die individuelle oder die kollektive, im Kern krank." 
Menschen, die gegen das Tanzverbot sind ertragen die Trauer also nicht. Achso, ich dachte, ich wolle mir einfach nur nicht sagen lassen, wann ich tanzen darf und wann nicht. Ich ertrage also die Trauer nicht! Danke Matussek. Endlich habe ich das Leben verstanden. Hiermit fordere ich dazu auf, mir Menschen zu zeigen, die an Ostern wirklich von tiefer Trauer ergriffen sind. Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen. Ich kenne Ostern, ich kenne Christen und ich kenne christliche Gemeinschaften. KEINER meiner damaligen Mitchristen war JEMALS an Ostern vor Trauer so sehr ergriffen, dass er einen ganzen Tag brauchte, um seiner Trauer Herr zu werden. Stattdessen freute man sich viel eher, dass es einen Gottes Sohn gab der aus den verrücktesten Gründen die Menschen so sehr liebte, dass er sich opferte, damit all diese bekloppten Menschen gerettet werden. Ist diese Rettung nicht viel eher ein Grund zur Freude und zum Tanzen? Warum die Trauer, kleine Regengesichter? Und macht es euch wirklich noch viel trauriger, wenn ich selbst an Karfreitag tanzen will? Ich Flegel. Und was ist überhaupt die Konsequenz? Jeden Tag sterben Menschen. Und aus Rücksichtnahme auf deren Gefühle sollte man am besten gar nicht mehr tanzen? Oder Spaß haben? Wie wäre es eigentlich mal mit einem Spaßverbot? Damit auch der letzte Deutsche endlich lernt, die Trauer zu ertragen!!

"Die Piraten, also diese bärtigen Nerds und Flanellhemdenträger, die man mit allem, nur nicht mit körperlicher Bewegung, Tanzen gar, in Beziehung bringt [...]"
Matussek erklärt die Welt, Teil 2. Körperliche Bewegung hängt also von der Parteizugehörigkeit ab.

"[...]christlich auch die Aufklärung seit Thomas von Aquin,[...]"
Merkste selbst, gelle? Religion und Aufklärung in einem Satz.. Wirklich?

"christlich die Überzeugung, dass Männer, die sich küssen, nicht an Kränen aufgehängt werden"
Heiraten sollen sie aber trotzdem nicht! Da muss man ja schon Grenzen ziehen! Aber aufhängen, nein nein. Das wäre selbst dem Papst zu viel. Das stimmt. Deswegen sollte man Karfreitag auch wirklich nicht tanzen dürfen. Das hängt alles unmittelbar zusammen.

"Unsere Kulturvergessenheit hat jüngst das Bundesverfassungsgericht auf beängstigende Weise bestätigt, mit der Aufhebung des Kopftuchverbots, mit der Begründung, dass christliche Werte und Traditionen nicht gegenüber anderen Religionen bevorzugt werden dürften."
Beängstigend ist höchstens dieser Artikel.

"Sind wir bereits derart vertrottelt und verblödet, dass uns alles egal ist? Was ist so schlecht an christlichen Werten, was so unangenehm an den Zehn Geboten, dass man sie neben Islam und Scharia allenfalls zur Wahl stellen möchte?"
Also.. die geforderte Konsequenz ist ein Christenzwang? Sind wir mittlerweile gegen die Wahlmöglichkeit? Ach stimmt, ich vergaß. Gebot Nummer 2. Wollen wir die christlichen Werte jetzt vielleicht endlich mal zwanghaft durchsetzen? Wird auch höchste Zeit. Ich hätte gerne einen Sklaven der meine Thesis schreibt. Und Homosexualität.. puh ne. Das wollen wir nicht. Das ist eine Sünde. Und schlafe niemals mit einer Frau während sie ihre Periode hat. SÜNDE! Ich liebe die guten alten christlichen Werte. Ach nein, ich vergaß erneut. Für die christlichen Werte picken wir uns ja nur die guten Sachen aus der Bibel raus. Wie zum Beispiel liebe deinen Nächsten. Oder begehre nicht die Braut eines anderen. Oder tanze nicht an Karfreitag.

Achtung, gewagte These: Man muss nichts gegen christliche Werte haben um Karfreitag tanzen zu wollen. Und: ich kann tanzen und lasse alle von Trauer ergriffenden Christen in Ruhe ihre Tränen trocken. Niemand käme sich in die Quere. Ach nein, halt. Tanzverbot und so.

Den gesamten Artikel war ich mir unsicher, ob er wirklich ernst gemeint ist. Aber er ist es wirklich.
Wir fassen zusammen: Tanzen wollen an Karfreitag ist bedenklich, weil christliche Werte dadurch abgeschafft würden.
Wieso ist ein Abschaffen von christlichen Werten letztendlich überhaupt so bedenklich? Warum soll ich mich als Nicht-Christ an Werte halten, die irgendwelche verrückten alten Männer die Gespenster gesehen haben, aufgeschrieben haben? Mattusek präsentiert uns in einem Absatz viele, viele Beispiele wieso das Christentum sooo viel besser ist als alles andere: "Christlich ist unsere Herkunft, unsere Tradition, christlich ist unser Menschenbild ("Die Würde des Menschen ist unantastbar"), christlich ist unsere Bildung, christlich ist unsere gesamte Anthropologie inklusive der gleichen Rechte für Frauen, die erkämpft wurde, christlich auch die Aufklärung seit Thomas von Aquin, christlich die Überzeugung, dass Männer, die sich küssen, nicht an Kränen aufgehängt werden und Frauen, die sich in einen anderen Mann vergucken, nicht gesteinigt werden sollten – aber wir erinnern uns nicht mehr." Ooooh, mit ein bisschen gesundem Menschenverstand krieg ich mein Leben auch so hin, ohne mich an die 10 Gebote halten zu müssen. Und für den Rest gibts ja immer noch Grundgesetz und co.

Und jetzt bitte aus Rücksichtnahme für all die Trauer tragenden Christen da draußen: Hört auf zu tanzen. Hört auf zu lachen. Hört auf Spaß zu haben. Denn sobald heute Menschen nicht traurig sind und die Trauer anderer nicht ertragen können, ist die Gesellschaft krank. Und wer will schon eine kranke Gesellschaft in der getanzt und gelacht wird? Igitt.

Samstag, Mai 25, 2013

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 10

Heute: Die Todesstrafe

William, Billy, Van Poyck wird am 12.06.2013 um 18 Uhr vom Staate Florida hingerichtet. Für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat.
Seit die Todesstrafe im Jahr 1976 in den USA wieder eingeführt wurde, kam es zu 1332 Hinrichtungen. Mindestens 142 Menschen unter ihnen waren nicht schuldig. 

1988 wurde Billy zur Todesstrafe verurteilt. Billy und sein Mittäter Frank Valdes unternahmen den Versuch, einen Gefangenen aus einem Gefangenentransport zu befreien. Dabei wurde ein Officer von Valdes getötet. Die beiden wurden unter der Felony murder rule zum Death Row verurteilt. Sobald bei einem Kapitalverbrechen ein Mensch getötet wird, sind alle Beteiligten des Verbrechens automatisch des Mordes schuldig. Selbst dann, wenn nur einer der Beteiligten einen anderen Menschen tötet und dies unter Umständen vielleicht sogar aus Notwehr geschieht. 

In Bills Fall wurde er während seiner Trials nie tatsächlich für das Verbrechen überführt. Und doch soll er am 12. Juni für eben dieses sein Leben verlieren. Jemand erzählte der Jury, dass er der Schütze gewesen sei. Diese glaubte der Aussage und verurteile Bill dadurch zum Tode. Dass dies mittlerweile als falsch angesehen wird und Bills Unschuld im Zusammenhang mit dem Tod des Officers eindeutig nachgewiesen wurde, hinderte Floridas Governor Rick Scott nicht, am 3. Mai diesen Jahres, die endgültige Todes Berechtigung (death warrant) zu unterzeichnen und so dem Leben Billys ein Ende zu setzen. Sein Kumpane Frank Valdes wurde übrigens bereits 1999 von den guards im Florida State Prison zu Tode geprügelt.

Schon lange habe ich einen Brieffreund in einer der Death Row Zellen der Polunsky Unit in Texas. Texas ist der Staat mit den strengsten und engstirnigsten Gefängnisauflagen und -regeln. Die Inhaftierten verbringen 22 Stunden des Tages in ihrer 4qm Zelle ohne jeglichen Kontakt zu Mitgefangenen.
Seit 17 Jahren sitzt mein Brieffreund im Knast, weil er aus Notwehr einen Menschen getötet hat. Seit 17 Jahren wartet er nun auf seinen endgültigen death warrant. 

Wie fast 90% aller Insassen ist auch er schwarz, kommt aus dem Ghetto und kann sich keinen richtigen und kompetenten Rechtsbeistand leisten. Die hiesigen Pflichtverteidiger sind vom Staat gestellt, oft faul und haben kaum bis gar keine Lust, sich in einen Fall hineinzuarbeiten um ihre Mandanten richtig beraten und vertreten zu können. In den seltensten Fällen wird das Urteil revidiert und von death row zu lebenslänglich geändert. 
Tatsächlich ist es für den Staat sogar günstiger, alle seine Gefangenen lebenslänglich im Gefängnis verschimmeln zu lassen, als sie nach vielleicht 30 Jahren einmal umzubringen. Die vielen Verfahren und Menschen die dafür angestellt werden, verschlingen wahnsinnig viel Geld.
Wem ist damit geholfen, einen Menschen umzubringen, weil er einen anderen Menschen umgebracht hat? Aus diesem Umstand resultiert eine ewige und unendliche Gewalt- und Leidenskette. Manch ein Angehöriger des Opfers wünscht sich "Gerechtigkeit". Sie haben einen Menschen verloren und wollen den leiden und bluten sehen, der dafür verantwortlich ist.
Ja, die Angehörigen des getöteten Opfers sind traurig, dass ihr Freund oder Sohn getötet wurde. 
Ja, die Angehörigen des getöteten Insassen sind traurig, dass ihr Freund oder Sohn getötet wurde.
Wie will man diesen Angehörigen nun die "Gerechtigkeit" bringen? Den Henker töten? Immerhin ist er es, der dafür verantwortlich ist, dass sie einen geliebten Menschen verloren haben. 
Aber Verzeihung! Für diese Menschen hat es keine "Gerechtigkeit" zu geben.

Warum wächst überhaupt in so vielen Menschen der Wunsch, einen anderen Menschen tot sehen zu wollen? "Auge um Auge". Erhalten sie dadurch ihr Auge wieder zurück?
Ist es nicht viel besser, Menschen auf ewig hinter Gitter zu sperren, statt sie eines Tages von ihrem Leid zu "erlösen" und zu töten? Natürlich muss ein solches Urteil dann auch rigeros eingehalten und durchgeführt werden. Eine Entlassung nach 5 Jahren wegen guter Führung ist nicht zweckdienlich. Genauso nicht zweckdienlich ist die Todesstrafe. 
Befürworter heben den "Abschreckungsfaktor" hervor. Nein. Dieser Faktor existiert nicht. Staaten, in denen die Todesstrafe abgeschafft wurde, haben teils eine niedrigere Mordrate als zuvor (Beispiel Kanada). Abschreckung bedeutet nichts anderes, als die Verbrechen anderer vorzubeugen. Ein Mensch sollte für seine eigenen Verbrechen belangt werden. Nicht für die, die andere Menschen vielleicht unter Umständen begehen könnten.
Und was ist das überhaupt für ein Ursache-Wirkung-Prinzip? Die Verbrecher sehen: 'Oh. Es ist unter gewissen Umständen in Ordnung, Menschen zu töten. Dann kann ich das ja auch machen.' Doch wer sieht sich überhaupt in der Lage, diese "gewissen Umstände" definieren zu können? Wieso darf der Staat Menschen töten und der Bürger darf es nicht?

Ich möchte an dieser Stelle nicht die Verbrechen verschweigen oder kleinreden, die viele der Verurteilten zweifelsohne begangen haben. Ein Verbrechen gehört immer bestraft. Nur Mord mit Mord zu bekämpfen macht einfach keinen Sinn.

Man kann nicht nur nichts machen und stillschweigend aktzeptieren, dass ein unschuldiger Mensch ermordet wird. Man kann helfen. Es gibt eine Petition für William Van Poyck. Ein kleiner Versuch, sein Leben zu retten.

Das Todesurteil ist menschenunwürdig und gehört abgeschafft. 

Für weitere Informationen:
Billys Blog (bestehend aus den Briefen an seine Schwester)

Freitag, März 29, 2013

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 7

Aus gegebenem Anlaß an dieser Stelle mein Beitrag zum Karfreitag und dessen Tanzverbot aus dem letzten Jahr. Hat ja nichts an seiner Aktualität verloren.
Heute: Das Tanzverbot

Jedes Jahr die gleiche Schose: es ist das Karwochenende und die Regierung möchte die Menschen nicht tanzen sehen und verbietet deswegen öffentliche Tanzveranstaltungen.

Das folgende wird geschrieben unter der Voraussetzung, dass Jesus Christus am gestrigen Tag vor 2012 Jahren gestorben ist und das Evangelium, so wie es in der Bibel steht, die Wahrheit darüber erzählt wie und warum es geschah.

An Karfreitag sollst du trauern. Freude wird nicht gerne gesehen. Die logische Konsequenz dessen ist also, ein Tanzverbot auszusprechen. 
In einer Diskussion sagte man mir, dass das Verbot ja eeeigentlich vielleicht eher für den Alkoholkonsum gelte. Schließt man Discotheken, betrinken sich weniger Menschen und hauen wenigstens nicht an dem Tag an dem sich Jesus für gerade diese Menschen opferte, sinnlos auf den Putz. Da stellt sich natürlich die Frage, warum Bars und Kneipen nicht geschlossen werden. Und die wahren Feierwütigen brauchen auch keine Disothek um sich zu betrinken. Dafür braucht es nur den billigen Wodka von der Tanke und irgendein Plätzchen. Ist tatsächlich irgendjemand der Meinung, der Karfreitag halte die Menschen davon ab, sich sinnlos zu betrinken?
Wieso denkt man: Jesus ist tot. Ich bin traurig und verstecke mich im Schrank. Anstatt sich zu sagen: Jesus ist gestorben, weil er es wollte. Weil er nur dafür auf die Welt gekommen ist. Um allen Menschen ein Leben ohne Sünde zu gewährleisten. Klingt doof, aber ja: Jesus ist gerne für die Menschen gestorben. Er hat seine Wunder vollbracht - es wäre sicher ein leichtes gewesen, vom Kreuz hinabzusteigen und allen in den Hintern zu treten. Aber er hat es nicht getan. Statt dass man sich daran erfreut und sich denkt: Geil, Jesus ist für mich gestorben! Ich will tanzen und mich freuen! sitzen sie in ihren Kämmerchen. 
Stattdessen verbietet man es. Man verbietet auch Tanzdemos. Man verbietet Tanzdemos im 21. Jahrhundert. Die DDR gibt es nicht mehr, aber kommt. Wir verbieten Demonstrationen.
Das ist so eine dämliche Doppelmoral. Livemusik ist nämlich erlaubt.
Kein Schwein kann den genauen Karfreitag datieren. Genau wie keiner Weihnachten genau datieren kann. Diesen ganzen Symbolismus kann ich nicht nachvollziehen. 'Du darfst heute kein Fleisch essen! Weil es ist böse und das machen wir nicht, weil es ist ein Symbol für irgendetwas!' Wenn Menschen aus Überzeugung auf irgendetwas freiwillig verzichten, sei es Fleisch oder Alkohol oder das Tanzen, dann sage ich: sau geil! Das finde ich wirklich gut. Aber es nur zu machen, weil es vorgeschrieben wird, da frage ich mich nur: warum?
Deswegen finde ich auch den ganzen Katholizismus so beschränkt. Du hast deinen Mann betrogen, 500€ geklaut oder dir illegal Filme runtergeladen? Bete 15 Ave Maria und spiele mit deinem Rosenkranz, DANN bist du erlöst und Jesus liebt dich wieder. In der Oberstufe hat mein Relilehrer (und Pfarrer!) mir beigebracht, dass man nichts machen muss um von Jesus geliebt zu werden. Und ich glaube nicht, dass er etwas dagegen hat, wenn ich an Karfreitag tanze.
Den größten Vogel schießt aber - wie so oft - Die Welt ab: 

Zunächst einmal ist es verlogen, dass die Jux-Säkularisten zwar die Annehmlichkeiten der Arbeitsbefreiung am christlichen Feiertag in Anspruch nehmen, aber dessen religiösen Gehalt aktiv bekämpfen wollen.
Ähm. Ok. Hm. Ich arbeite über die christlichen Feiertage. Also darf ich dann auch tanzen?

Es würde die Gottlosigkeit deutlich attraktiver machen, wenn Atheisten wenigstens an einem Tag im Jahr zu jener kollektiven Trauer fähig wären, der sich Christen in der Karwoche unterziehen.
Schön gesagt. Werdet endlich attraktiver, liebe Gottlosen! Trauert kollektiv mit, auch wenn es euch überhaupt nicht juckt. Trauert, um dem Durchschnittsdeutschen zu zeigen, wie attraktiv die Gottlosigkeit wirklich ist. Großes Kino.

Ich hatte gestern einen schönen Abend mit meinen Freundinnen. Wir haben es sogar gewagt zu lachen. Und einmal haben unsere Gliedmaßen gezuckt und es sah kurz aus, als würden wir tanzen. 
Aber liebe Die Welt-Redaktion, es tut uns leid und wir schämen uns.
Hauptsache Livemusik ist trotzdem erlaubt. Da tanzen Menschen ja nicht. Und sollte sich jemand bewegen, heben wir ein Schild hoch. Auf dem wird dann dick Ketzer stehen.

Samstag, April 07, 2012

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 7

Heute: Das Tanzverbot

Jedes Jahr die gleiche Schose: es ist das Karwochenende und die Regierung möchte die Menschen nicht tanzen sehen und verbietet deswegen öffentliche Tanzveranstaltungen.

Das folgende wird geschrieben unter der Voraussetzung, dass Jesus Christus am gestrigen Tag vor 2012 Jahren gestorben ist und das Evangelium, so wie es in der Bibel steht, die Wahrheit darüber erzählt wie und warum es geschah.

An Karfreitag sollst du trauern. Freude wird nicht gerne gesehen. Die logische Konsequenz dessen ist also, ein Tanzverbot auszusprechen. 
In einer Diskussion sagte man mir, dass das Verbot ja eeeigentlich vielleicht eher für den Alkoholkonsum gelte. Schließt man Discotheken, betrinken sich weniger Menschen und hauen wenigstens nicht an dem Tag an dem sich Jesus für gerade diese Menschen opferte, sinnlos auf den Putz. Da stellt sich natürlich die Frage, warum Bars und Kneipen nicht geschlossen werden. Und die wahren Feierwütigen brauchen auch keine Disothek um sich zu betrinken. Dafür braucht es nur den billigen Wodka von der Tanke und irgendein Plätzchen. Ist tatsächlich irgendjemand der Meinung, der Karfreitag halte die Menschen davon ab, sich sinnlos zu betrinken?
Wieso denkt man: Jesus ist tot. Ich bin traurig und verstecke mich im Schrank. Anstatt sich zu sagen: Jesus ist gestorben, weil er es wollte. Weil er nur dafür auf die Welt gekommen ist. Um allen Menschen ein Leben ohne Sünde zu gewährleisten. Klingt doof, aber ja: Jesus ist gerne für die Menschen gestorben. Er hat seine Wunder vollbracht - es wäre sicher ein leichtes gewesen, vom Kreuz hinabzusteigen und allen in den Hintern zu treten. Aber er hat es nicht getan. Statt dass man sich daran erfreut und sich denkt: Geil, Jesus ist für mich gestorben! Ich will tanzen und mich freuen! sitzen sie in ihren Kämmerchen. 
Stattdessen verbietet man es. Man verbietet auch Tanzdemos. Man verbietet Tanzdemos im 21. Jahrhundert. Die DDR gibt es nicht mehr, aber kommt. Wir verbieten Demonstrationen.
Das ist so eine dämliche Doppelmoral. Livemusik ist nämlich erlaubt.
Kein Schwein kann den genauen Karfreitag datieren. Genau wie keiner Weihnachten genau datieren kann. Diesen ganzen Symbolismus kann ich einfach nicht nachvollziehen. 'Du darfst heute kein Fleisch essen! Weil es ist böse und das machen wir nicht, weil es ist ein Symbol für irgendetwas!' Wenn Menschen aus Überzeugung auf irgendetwas freiwillig verzichten, sei es Fleisch oder Alkohol oder das Tanzen, dann sage ich: sau geil! Das finde ich wirklich gut. Aber es nur zu machen, weil es vorgeschrieben wird, da frage ich mich nur: warum?
Deswegen finde ich auch den ganzen Katholizismus so beschränkt. Du hast deinen Mann betrogen, 500€ geklaut oder dir illegal Filme runtergeladen? Bete 15 Ave Maria und spiele mit deinem Rosenkranz, DANN bist du erlöst und Jesus liebt dich wieder. In der Oberstufe hat mein Relilehrer (und Pfarrer!) mir beigebracht, dass man nichts machen muss um von Jesus geliebt zu werden. Und ich glaube nicht, dass er etwas dagegen hat, wenn ich an Karfreitag tanze.
Den größten Vogel schießt aber - wie so oft - Die Welt ab: 

Zunächst einmal ist es verlogen, dass die Jux-Säkularisten zwar die Annehmlichkeiten der Arbeitsbefreiung am christlichen Feiertag in Anspruch nehmen, aber dessen religiösen Gehalt aktiv bekämpfen wollen.
Ähm. Ok. Hm. Ich arbeite über die christlichen Feiertage. Also darf ich dann auch tanzen?

Es würde die Gottlosigkeit deutlich attraktiver machen, wenn Atheisten wenigstens an einem Tag im Jahr zu jener kollektiven Trauer fähig wären, der sich Christen in der Karwoche unterziehen.
Schön gesagt. Werdet endlich attraktiver, liebe Gottlosen! Trauert kollektiv mit, auch wenn es euch überhaupt nicht juckt. Trauert, um dem Durchschnittsdeutschen zu zeigen, wie attraktiv die Gottlosigkeit wirklich ist. Großes Kino.

Ich hatte gestern einen schönen Abend mit meinen Freundinnen. Wir haben es sogar gewagt zu lachen. Und einmal haben unsere Gliedmaßen gezuckt und es sah kurz aus, als würden wir tanzen. 
Aber liebe Die Welt-Redaktion, es tut uns leid und wir schämen uns.
Hauptsache Livemusik ist trotzdem erlaubt. Da tanzen Menschen ja nicht. Und sollte sich jemand bewegen, heben wir ein Schild hoch. Auf dem wird dann dick Ketzer stehen.

Montag, Oktober 17, 2011

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 6

Heute: Das Feuilleton, Teil 2

Schon einmal habe ich mich an dieser Stelle über die hiesige Feuilleton - Szene pikiert. Heute habe ich das dringende Bedürfnis mich aus gegebenem Anlass zu wiederholen.

Seit ein paar Tagen gibt es hier einen leicht säuerlichen Artikel im Feuilleton der FAZ zu lesen. Gegenstand des Artikels von Harun Maye ist die Literaturkritik diverser Videoblogger auf Youtube. Diese "Marzipanherzenmädchen" (sic) geben in ihren Videos ihre (natürlich immer gekaufte und / oder durch das Fernsehn manipulierte) Meinung zu diversen Jugendbüchern ab. Zeitung lesen besagte Mädchen ja ohnehin nicht. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, nebenbei Videos über ihre Nagellacke zu drehen.
Der gute Herr Maye sieht sich durch diese Art der Literaturkritik anscheind höchstpersönlich auf den Schlips getreten, prangert er doch die Bücherauswahl der Youtuber als den "ganz normale(n) Bestsellerlistenschrott" an. Der renommierte Akademiker liest natürlich keine Bücher von Autoren wie Funke, Rowling oder Meyer.
Auch die Art, wie die Literaturkritik der Mädchen vorgetragen wird, passt dem Literatur- und Medienwissenschaftler gar nicht. Man spreche nur davon, ob ein Buch "flüßig zu lesen" sei. Skandal. Wo bleiben die Interpretationen zu Interpunktionen und Stilmitteln?

Meine Güte. Statt dass man sich freut, dass Jugendliche lesen, es auch noch cool finden und die Bücher sogar ihren Freunden/Abonnenten/whatever weiterempfehlen ist doch total großartig. Man mag von dem ganzen Twilight-Kram und Stephanie Meyer halten was man will. Aber sie hat junge Leute zum Lesen gebracht. Das ist doch schon mal was. 
Erst wird sich beschwert, die Jugend von heute lese nicht mehr genug und wenn sie es tut und es sogar in die Welt trägt, ist das auch nicht gut. Ich korrigiere: Es ist gut, dass sie lesen. Aber es ist nicht gut, dass sie es weitererzählen. Das solle man doch lieber den wirklichen Literaturkritikern überlassen, die Hypotaxen von Parataxen zu unterscheiden wissen und geistig täglich mit Archaismen schlafen.

Mein Lieblingsabschnitt im Artikel der FAZ ist übrigens der letzte Absatz, in dem der Wissenschaftler sein Wort quasi direkt an eins der Videobloggermädchen, Reni, richtet. Hauptsache Bret Easton Ellis wird noch schnell erwähnt. Es geht ja schließlich um junge Frauen, die neben Büchern auch Kosmetik und Klamotten konsumieren. Kein Ausgang. Den sehe ich in der elitären und hochgebildeten Welt des Feuilletons allerdings auch nicht mehr.

Um abschließend Reni zu zitieren: Es muss nicht immer Krieg und Frieden sein.

Samstag, Juni 11, 2011

Aus gegebenem Anlass

Stell dir vor, sie sperren kino.to und alle gehen auf die Barrikaden.
Aber warum eigentlich?
Im Grunde ist diese Seite nichts anderes als eine Linksammlung, die zu verschiedenen Streamhostern weiterleitet bei denen man sich (illegal?) an Filmen, Serien oder Dokus erfreuen kann.
Klar, dass das eine Menschengruppe wenig erfreut: die Filmindustrie. Klar, dass sie beschließt, in einem Rundumschlag die Verbrecher zur Strecke zu bringen. Man sieht sich besonders im Urheberrechtsbereich verletzt.
Da stellt sich natürlich die Frage: Ist die liebe, gute Filmindustrie nicht selber schuld?
Was bekommt man als erstes zu Gesicht, nachdem man sich ins Geschäft begeben, legal und gesetztreu eine DVD erworben und diese anschließend des Abends in den heimischen DVD-Player eingelegt hat? Raubkopierer werden hart bestraft und kommen fünf Jahre in den Knast!
Eh? Ich hab für den Scheiß Geld ausgegeben; kein Grund mich als Käufer zu kriminalisieren (das macht die Deutsche Bahn ja auch besonders gerne). Die Leute, die sich die raubkopierten Stücke ansehen, werden die künstlerisch hochwertigen Spots ohnehin nicht zu Gesicht bekommen, da die Clips natürlich rausgeschnitten werden. Ich als Ottonormalgucker kann die Clips meist nicht mal vorspulen. Was ist denn da kaputt?
Ich gebe wirklich viel Geld für DVDs und Kinovergnügen aus und wenn ich mir dann anhören muss, dass ich ein potenzieller Raubkopierer bin, kann ich einfach nur den Kopf schütteln.
Ganz zu schweigen davon, dass es einfach absolut kein vergleichbares legales Angebot gibt. Ich war einige Male kurz davor, mich bei einschlägigen Portalen wie Maxdome uä. Konsorten anzumelden, aber: Das ist einfach der letzte Quark! Es gibt kaum Auswahl, ist absolut überteuert (2,50€ für eine einzige Folge einer Serie??? Das macht bei 22 Folgen 55€! Wo ist denn da das Verhältnis?) und ohne Originalton. 
Statt dass sich die Filmindustrie ein Beispiel an der Musikindustrie nimmt, die schon längst erkannt hat, dass Menschen durchaus bereit sind für Mp3-Dpwnloads Geld auszugeben, dümpelt hier nur alles vor sich hin.
Ich verstehe, dass man Sachen verbieten will, die verbotenerweise veröffentlich wurden (Filmmitschneiderinkinos, ich verachte euch.). Aber statt drei Jahre zu überlegen, wie man eine Internetseite lahm legt, versucht endlich mal, eine ordentliche Alternative zu schaffen.
Um abschließend noch einen fleißigen Spiegel Online Forumsschreiberling zu zitieren: "Jetzt soll der Gesetzgeber mal den Internetusern erklären, warum das Bereitstellen von Zeichentrickfilmen auf Stream-Seiten härtere Sanktionen nach sich zieht als das Bereitstellen von Kinderpornos."

Dienstag, Januar 25, 2011

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 3

Heute: Der Schöhnheitswahn

Der ein oder andere hat sicher mitbekommen, dass die Pornodarstellerin Carolin Wosnitza, besser bekannt als Sexy Cora, am 20.01. gestorben ist, nachdem es während ihrer sechsten Brustvergrößerung zu Komplikationen gekommen war. Zunächst lag Cora im Koma. Als ich dann gelesen habe, dass sie gestorben ist, war ich wirklich traurig. Letztes Jahr ist Cora ins Big Brother Haus gezogen (ja, ich gucke das gerne und freue mich schon auf den Mai). So wie sie sich dort gegeben hat, fand ich sie sehr sympathisch. Und als sie ein Techtelmechtel mit einem Mitbewohner anfing, fand ich das äußerst niedlich. Entgegen vieler Erwartungen war Cora nicht dumm, sondern ziemlich clever.
Es war ihre sechste Brustvergrößerung. Mit 23 Jahren. Körbchengröße G bei einer Körpergröße von 1,57 m und einem Gewicht von 47 Kilo. Da frage doch nicht nur ich mich, was das soll. Es scheint tatsächlich so, dass viele Schönheitschirurgen noch immer nicht genug Geld haben und so durch unnütze und überflüßige Operationen viel Geld verdienen wollen.
Ja, es gibt sicher Menschen die furchtbar unglücklich mit sich selbst sind und meinen, alle Probleme lösen sich in Luft auf, sobald der gute Onkel Doktor seine magischen Hände an den Körper anlegt. Es gibt sicher auch Fälle, die zeigen, dass es Menschen dadurch tatsächlich besser gehen kann.
Das berechtigt aber nicht Sendungen wie "Extrem schön" im Fernsehen zu zeigen, in denen Menschen am Fließband operiert werden. Hier wird suggeriert, Operationen im Bereich der Zähne, der Brust, des Bauches und des Hinterns könne man im stundentakt erledigen und nebenbei noch ein Eis essen. Hat der Patient psychische Probleme, werden sich diese sicherlich nicht von heute auf morgen lösen, nur weil er fortan in einem vollkommen modellierten Körper lebt. Aber das interessiert den Zuschauer doch nicht. Wie der Patient danach lebt, wird nicht gefilmt, also exisitert dieses Leben nicht. Stattdessen nehmen wir diese Sendung als Vorbild, uns selbst auch so schnell wie möglich unter das Messer zu legen.
Ein Radiosender in Berlin hat die Zeichen der Zeit erkannt und eine Aktion gestartet, die den passenden Titel "Brust raus, Bauch rein." trägt. Wer sich hier bewirbt, bekommt vom Sender eine Brustvergrößerung oder eine Fettabsaugung spendiert. Alles was man dafür tun muss, ist ein paar Fotos seiner Problemzonen hochzuladen und morgens das Radio anzuschalten um neben Stau- und Wettermeldungen seinen Namen zu hören. Psychische Probleme? Scheiß drauf. Steckt ein paar Schläuche oder Silikonkissen in den Körper eines Menschen und saugt neben dem Fett auch gleich das Gehirn mit raus.

Samstag, Januar 15, 2011

Busfahrende ihr seid Schweine.

Frei nach dem tocotronischen Liedermacher Dirk von Lowtzow, der offenbar zu viel von Thomas Bernhard gelesen hat: Busfahrende, ich verachte euch zutiefst.

Im Eingang rumstehende Menschen, die den Weg blockieren. Sollte man es schaffen, in den Bus einzusteigen und drei Schritte laufen zu können, sieht man, dass im Umkreis ca. zehn Plätze frei sind. Warum setzen sich diese Menschen nicht hin, sondern stehen lieber im Weg rum?? Hauptsache, man kann in der Lichtschranke stehen, woraufhin die Tür sich nicht schließt. Juhu, der Busfahrer macht eine Durchsage, dass die Türen frei bleiben sollen. Juhu, alle gucken mich an. Juhu, meine drei Sekunden Ruhm!
Streitsüchtige alte Menschen, die sich nur aus ihrer Wohnung wagen, um ihre Umwelt emotional zu verpesten. Hauptsache sie haben was zu meckern. Man bietet ihnen seinen Platz an aber das reicht nicht. Man muss sich anschließend zehn Minuten anhören, welch starken Schmerzen sie in ihren Beinen haben. Möchte ein Herr neben ihnen aussteigen, fängt das Geschrei an: "Moomeeent! Mein Bein. Aaaah. Aaah. Jaaa, Moomeeeeeeent!" Hiermit entschuldige ich mich für mich und alle meine Mitmenschen, dass wir bei unserer Haltestelle gerne aussteigen möchten. Dafür, dass Sie solche Schmerzen haben und sich gezwungen sehen, mit diesen furchtbaren Schmerzen Bus fahren zu müssen. Man kann ja nicht im Bett liegen bleiben, sondern muss unbedingt dann in die Stadt fahren. Macht Sinn.
Gröhlende Studenten, die Sonntag abends die Busse besetzen.
Die Nahverkehrsbusgesellschaft, die es nicht schafft, für die Abendstunden des Wochenendes einen anständigen Fahrplan zu basteln. Es ist ja etwas gänzlich Neues, dass sonntags sämtliche Studenten wieder in die Stadt eintrudeln und vom Hauptbahnhof nach Hause chauffiert werden wollen. Schafft Arbeitsplätze durch mehr Busverkehr.
Antiautoritäre Eltern, denen es scheißegal ist, was ihre Kinder anstellen. Durch den Bus rennen, den Weg versperren und anschließend hinfallen. Ach, ist das süß. Natürlich müssen alle Menschen die Kinder mindestens genauso süß finden, wie es die Eltern tun. Wenn nicht sogar noch mehr. Verständnis wird vorausgesetzt, wenn Eltern mit ihren Kindern nicht klarkommen.
Coole, alternative Studenten die meinen, man dürfe bestimmte Sachen einfach nicht mögen. Es ist nicht hip, es ist nicht alternativ. High School Musical, Miley Cyrus, den Kinofilm von Britney Spears, die Musik von Pur und Rosenstolz. Und wisst ihr was? Ich mag das alles trotzdem. Und sogar die tocotronische Musik nach K.O.O.K. gefällt mir. Oh Gott, wie unstudentisch von mir.



Tocotronic - Hamburg rockt

Donnerstag, Dezember 02, 2010

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 2:

Heute: Das Feuilleton

Jeden Montag Mittag gegen 12:15h mache ich mich auf in die heiligen Universitätshallen, um einem Seminar mit dem Titel "Formen literaturkritischen Schreibens" beizuwohnen. Dort ist der eifrige Dozent (der selbst natürlich für die verschiedensten wichtigen Tageszeitungen Deutschlands schreibt) dazu bereit, sein schier unfassbar großes Kritikerwissen an uns weiterzugeben.

Jeden Montag Mittag sitze ich da und frage mich, ob diese Leute das eigentlich ernst meinen.
Bei Literaturkritik geht es nicht darum, Literatur zu kritisieren. Nein, es geht um Namen. Die Namen der Kritiker.
Es geht um Preise. Wie oft liest man vom Ingeborg-Bachmann-Preis und ach! - wie war das skandalös, als sich Herr
Goetz
hrend seiner Lesung die Stirn aufgeschnitten hat und das Blut auf sein Manuskript tropfte. Mensch Maier, das traut sich heute keiner mehr.
Es geht darum, die meisten Hypotaxen zu benutzen. Meine persönliche Highlight-Rezension war ein Artikel, in dem sich der Autor darüber pikierte, dass zu viele Parataxen gebraucht würden. Das entspricht natürlich nicht dem akademischen Standard.
Wer keinen bekannten Namen hat, wird es schwer haben, jemals von einem Redakteur einen Platz im Feuilleton zu bekommen. Witzig, denn wie soll man seinen Namen bekannt machen, wenn man keine Gelegenheit dafür bekommt? Während sich die Literaturkritiker also untereinander gegenseitig in ihren Artikeln beleidigen, sitzt unsereins bei einem Kaffee vor der Zeitung und fragt sich, was diese Angriffe jetzt eigentlich genau mit dem Buch selbst zu tun haben, dessen Inhalt nur kurz am Rande erklärt wird, um schließlich direkt anzufangen mit Spitzen um sich zu werfen.
Aber steht ein Buch erstmal auf der Liste für einen der diversen Buchpreise, ja dann muss das Buch gut sein. Schreiben wir also eine kurze positive Bewertung, in der wir es aber nicht unterlassen, eine andere Zeitung subtil anzugreifen.
Oder wir schreiben einfach eine ganz ähnliche Rezension wie die vom Herrn R. Dann müssen wir uns nicht einmal die Mühe machen, das Buch selbst zu lesen. Mensch, die Welt kann so einfach sein.

Sonntag, November 07, 2010

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 1:

Heute: Die Quotenermittlung

5000 Haushalte werden per Zufall ermittelt und bekommen eine Quotenbox. Über 80 Millionen Menschen leben in Deutschland.
Eine Quotenbox hat verschiedene Knöpfe. Jeder der Knöpfe steht für eine Person, die im entsprechenden Haushalt lebt und TV schaut. Beschließt Person A, mittags eine Sendung zu gucken, drückt sie auf Knopf A und setzt sich. Person B kommt dazu, drückt auf Knopf B, setzt sich dazu, steht nach fünf Minuten wieder auf und verschwindet ins Nebenzimmer - Person B hat sich nicht "ausgetragen". Konsequenz: Ergebnis verfälscht.

Wie können 5000 Haushalte für eine riesige Bevölkerung stehen? Nun werden die Statistikfetischisten erbost aufschreien: "Alle Macht der Mathematik. Die Zahlen lügen nicht!"
Da frage ich mich jedoch: Inwieweit sind die Versuchspersonen tatsächlich ehrlich, was ihr Fernsehverhalten angeht? Person C setzt sich nachts vor den Fernseher und möchte ein Erotikfilmchen schauen, drückt sie auf Knopf C?
Man antwortet grimmig, dass das Programm nachts schließlich nicht von Belang sei. Es gehe nur um die wichtigen Sendungen.
Wo beginnt man und wo hört man auf? Kann man sich das ganze Prozedere nicht gleich sparen? Warum werden quotenschwache Sendungen (aktuelles Beispiel Lost) auf die unmöglichsten Sendeplätze gelegt? Schauen die Leute sie um 22:15h nicht, werden sie die Serie um 23:15h schon gar nicht gucken. Ergebnis: Noch geringere Werbeeinnahmen in der Zielgruppe. Herzlichen Glückwunsch, Kabel 1.
Inwieweit sind diverse Sender bereit, den Testpersonen einen entsprechenden Betrag auszuzahlen, wenn sie im Gegenzug ihr Programm einschalten (ja, das böse B-Wort!) ?
Inwieweit lassen sich Sender zu sehr von Quoten beeinflussen? Klar, dramatische Schicksale in diversen Castingshows sind wahre Quotenbringer. Der Zuschauer leidet und fühlt mit, ruft teure Hotlines an, um die vom Schicksal gebeutelte Person eine Runde weiter bringen zu lassen. Das eine bedingt das andere. Quantität statt Qualität.
Da lobe ich mir Sender wie den Kika und Phoenix. Dort werden die Quoten nicht gemessen, da dort tatsächlich die Qualität im Vordergrund stehen sollte - bei den restlichen Sendern sind Hopfen und Malz wohl schon verloren.
Anders kann ich mir nicht erklären, dass Serien abgesetzt werden, die eine große Fangemeinde haben und gerne geschaut werden (Beispiel Veronica Mars) und der größte
(ich kann es nicht anders ausdrücken) Scheiß weiterhin im deutschen Fernsehn laufen darf. Man gebe mir eine Box, ich werde die Quoten revolutionieren!

Und ich erwähne es gerne nochmal: 5000 Haushalte auf 80 Millionen Menschen.

Donnerstag, Oktober 21, 2010

You Must Remember This

Warum, warum, warum?
Dass ist nicht der größte Freund von Blu-rays bin, habe ich ja nun schon des Öfteren erwähnt.
Auch, dass ich bei besonders hübschen Ausgaben von DVDs schnell schwach werde und sie am liebsten alle direkt mein Eigen nennen würde, ist dem ein oder anderen geneigten Leser möglicherweise schon aufgefallen. Während ich also so durch ein großes Online Warenhaus stöbere, stoße ich plötzlich auf eine der schönsten und fettesten Editionen, die ich seit langem gesehen habe: Die Blu-ray von Casablanca.
Da frage ich mich doch: wtf? Ich habe es schon einmal gefragt und werde es gerne immer wieder fragen: Was geht in Menschen vor, dass sie Klassiker als Blu-ray wiederveröffentlichen müssen?? Mann, da müssen Bild und Ton knistern und flackern und rauschen und körnen. Wenn ich einen aalglatten schwarz/weiß-Film gucken will, gucke ich Sin City und keinen Film aus den 1940er Jahren.
Am Besten ist natürlich auch, dass diese wunderhübsche Edition nicht auf normaler DVD herausgegeben wird. Möh. Da werde ich wieder zur parolenschwingenden Oma, die Verfechterin von Klassikern auf VHS ist. So, jetzt könnt ihr postmodernen Blaumenschen mich steinigen. Ich bleibe dabei:
Stell dir vor, es gibt Blu-rays und keiner kauft sie.



Frank Sinatra - As Time Goes By

Mittwoch, Juli 21, 2010

Streitschrift #4: Der tut doch nichts!

Ich bin kein Hundemensch. Sicher, es gibt Ausnahmen und auch ich kenne ein oder zwei tolle, wuschlige, große Hunde, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als dich lieb anzugucken und mit dem Schwanz zu wedeln, wenn sie dich sehen und sofort angeschlurft kommen um gestreichelt zu werden. Wie gesagt: Ausnahmen.
Es gibt auch Hunde die angerannt kommen, bellen und dafür sorgen, dass du dich keinen Meter mehr bewegen kannst und der gute Besitzer steht derweil oben an der Straße und .. steht herum. Wenn man ihn dann doch dazu bewegen kann, sich herunter zu begeben, das Kommentar: "Der tut doch nichts!" S U P E R . Was gibt es tolleres als einen kläffenden Hund hinter sich stehen zu haben? Auf der Lauer. Bereit dich anzugreifen, solltest du auch nur einen Fuß vor den anderen setzen.
Naja, was kann der Hund schon dafür. Es sind die dummen Besitzer, die nicht mit ihren Hunden umgehen können. Warum auch? Warum sollte ein schlauer Hund auf einen alten Menschen hören, der keinen Meter autoritär daherkommt. Klar, dass kein Hund so einem Menschen Respekt entgegen bringt und sich keinen Meter darum kümmert, ob sein Herrchen pfeift - wenn er denn überhaupt pfeift. Ist ja alles nicht selbstverständlich.
Allein das Wort 'Herrchen'. Verniedlichte Form von Herr. Keine Dominanz, ne. Verniedlichung. Gute Voraussetzungen. Ich plädiere für eine Super-Nanny-Hunde-Pflicht für alle Hundebesitzer, deren Hunde die Richtung beim Gassi gehen bestimmen.
Da fällt mir was tolles ein: In China essen sie Hunde. Oder noch besser: In China essen sie Herrchen.

Sonntag, April 25, 2010

Streitschrift #3: Danke, dass Sie sich für die Deutsche Bahn entschieden haben!

Wie kann es eigentlich sein, dass ICEs immer zu spät kommen, obwohl sie immer alle anderen Züge überholen dürfen?
Man selbst sitzt in einem RE, einem besonders alten und lauten, und befindet sich auf der Nahrungskette ganz unten. Selbst die S-Bahnen dürfen überholen, während man selbst schonmal zehn Minuten steht, bis die Fahrt weitergeht und auch der letzte Zug den eigenen überholt hat.
Aber das ist ja auch verständlich.. Man selbst bezahlt keine 40€ pro einfache Fahrt, sondern nur 20€. Da ist ICE-Überholungskommando-Zuspätkommen nunmal im Preis inbegriffen.
Wie auch in der Bildung zählt hier die Devise: Wer Geld hat, kommt schneller ans Ziel.
Gerechtfertigt! Reiche Leute gibt es in Deutschland ja genug.
Zum Thema "sänk ju for träveling wis Deutsche Bahn": Habe ich eine Wahl? Wer längere Strecken zurückzulegen und kein Auto hat, ist ja doch auf die Bahn angewiesen. Wer kommt endlich auf die Idee, ein alternatives Zugunternehmen zu gründen? Ich bin dabei!
Gegen garstige Zugbegleiter, Nahrungsketten und für mehr Service.
Man wird schließlich auch wie ein Krimineller behandelt, wenn der Ticket-Automat nicht funktioniert. Es wird erstmal davon ausgegangen, dass man lügt und die Personalien werden festgehalten. Nach Prüfung wird dann entschieden, ob man 40€ Zuschlag zu zahlen hat.
Klar. Tief im Herzen sind wir alle Klein- oder sogar Großkriminelle. Wir alle sind Schuld an Krieg, Mord, Terror und dem Welthunger.

Post Scriptum: Während man 40 Minuten im Zug in der Pampa feststeckt und dabei mit netten Mädels redet, weil Kinder auf den Gleisen spielen, gibt es nichts besseres, als Clickclickdecker zu hören.



Clickclickdecker - PT 82

Montag, April 19, 2010

Streitschrift #2: Wenn Autoritäten autoritär begegnet wird

Für morgen hat sich die sogenannte Schulinspektion angemeldet, die sich die Organisation meiner Schule u.ä. mal genauer anschauen will.
Schon vorab gab es vor zwei Monaten eine Internetbefragung, die einerseits Schüler und andererseits Eltern nach ihrer Meinung zu Schule, Lehrern und Unterricht befragt hat Dies geschah über "persönliche Tans", die vom Klassenlehrer oder Tutor an die Schüler ausgehändigt wurden. Bereits hier erschließt sich der Sinn der Befragungen. Es wurde nie gesagt, dass solche Zettel ausgeteilt würden; der Lehrer hätte sie ohne weiteres behalten und alle selber ausfüllen können. Ich selbst habe nicht nur den Schülerbogen, sondern auch den Elternbogen ausgefüllt. Salopp gesagt interessiert es keine Sau, inwiefern die Angaben stimmen oder nicht. Zahllose Leute haben bei der Umfrage erst gar nicht mitgemacht.
Besonders sinnvoll ist eine Schulinspektion, weil auch der Unterricht einiger Lehrer angeschaut wird. Dass sich Lehrer zum Teil sehr stark unterscheiden und folglich auch die Qualität des Unterrichts , lassen wir zunächst außer Acht.
Wäre ja auch übertrieben, sich jeden einzelnen Lehrer genauer anzuschauen.
Wäre ja auch übertreiben, sich die Schule abseits einer Inspektion anzuschauen.
Einigen Menschen stellt sich sicherlich die Frage, warum sich eine Schulinspektion überhaupt ankündigt. Es macht doch viel mehr Sinn, einfach in den Unterricht hinein zu schneien und den Überraschungseffekt zu nutzen (vgl. Oberschulrat Chalmers, der Rektor Skinner unregelmäßige Besuche abstattet). Doch betrachtet man die Sache genauer, fällt auf, dass urplötzlich, wie aus dem Boden gestampft, unzählige Erneuerungen des Schulhofes vonstatten gingen. Plötzlich stehen da neue Bänke, eine Tischtennisplatte und sogar eine Informationsschautafel. Ah, man versteht. Quasi Hilfe zur Selbsthilfe. Oder so ähnlich. Noch vor vier Jahren gab es einen Sponsorenlauf, bei dem es sich der vorherige Schulleiter nicht nehmen ließ, ebenfalls einige Runden zu drehen. Der Gewinn betrug 3.000 Euro. Vier Jahre durfte dieses Geld noch in den Tiefen der Koboldbank schlummern. Doch plötzlich wird dafür Verwendung gefunden. Wie erstaunlich.
Zusammenhang? Quatsch.
Zufälliges Aufeinandertreffen einer Verschönerung des Schulhofes und Besuch der höheren Macht? Auf jeden Fall.

Dienstag, April 13, 2010

Streitschrift #1: Rock gegen Kühe!

Wir alle sind vertraut mit der Problematik des Treibhauseffektes. Die Klimapolitik beschäftigt sich damit und es gibt unzählige Protokolle, laut denen Industriestaaten ihre Emissionen vermindern sollen.
Nun haben einige pfiffige Wissenschaftler erkannt, dass Kühe und Rinder 13% des Treibhauseffektes verschulden. Bei Galileo konnte man vor einiger Zeit einen Bericht sehen, laut dem Kühen ein großes Loch in den Bauch gebohrt wird, um ihnen so eine Substanz zu geben die sie sonst nicht essen würden, da sie den Kühen anscheind nicht so gut schmeckt. Diese Substanz verringert allerdings den Methanausstoß der Kuh und was liegt näher, als Kühen ein Loch in den Bauch zu bohren, um so an die Mägen zu kommen und ihnen die Substanz direkt dort hinein zu legen. Zwar sagt man Galileo nicht gerade nach, dass ihre Berichterstattungen immer korrekt und seriös sind; so scheint diese Meldung dennoch zu stimmen.
Und das ist ja auch verständlich. Der CO2-Ausstoß hat einen Anteil von 50% am Treibhauseffekt. CO2 entsteht durch Autoabgase oder das Verbrennen von Brennstoffen wie z.B. Erdöl oder Erdgas. Nun ist es natürlich viel einfacher, Tiere, die 13% verschulden, zu löchern, als vielleicht weniger Auto zu fahren oder weniger Lachgas (5% Anteil) beim Verbrennen von Biomasse zu verursachen.
Den Kühen tut die Prozedur ja auch nicht weh. Sie findet unter Narkose statt und auch nach der Operation beschweren sich die Kühe nicht. Aber wieso so umständlich?
Töten wir die Kühe doch sofort. Es gäbe genug Es
sen für die Menschen und die Fähigkeit Milch zu vertragen ist ohnehin nie von der Natur so vorgesehen worden. Unsere Gene sind mutiert und nun ist man in der Lage, Laktose zu vertragen. Ich sage: Back to the roots.
Rock gegen Rechts war gestern; heute ist Rock gegen Kühe!
Bild Quelle


Post Scriptum: Einen herzlichen Gruß an meine liebe Sitznachbarin in Powi: Christina! Jetzt bist du berühmt :D