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Montag, September 03, 2012

Roche & Böhmermann

Talkshows finde ich meistens anstrengend. Besonders dann, wenn es sich um Moderatoren wie Beckmann, Kerner, Gottschalk oder Lanz handelt.
Nun wurde ich gestern durch einen Bericht des hervorragenden Quotenmeters auf eine, mir bis dato unbekannte, Talkshow aufmerksam gemacht: Roche & Böhmermann.
Moderiert wird hier von Charlotte Roche, die der aktuellen Generation vermutlich durch ihre Arbeit als Autorin schmuddeliger Sexbüchlein bekannt sein dürfte. Freunde des alten Musikfernsehens dürften sie hingegen noch durch ihre Moderation bei Fast Forward auf dem mittlerweile zu Grabe getragenen Sender Viva 2 kennen.
Der Herr an ihrer Seite ist Jan Böhmermann. Seines Zeichens Satiriker und mir vorallem durch seine Radiomoderation auf 1live bekannt.

Die Sendung gibt sich betont retro in einer spärlich beleuchteten Kulisse mit den unterschiedlichsten Gästen. Hier sitzen in einer Sendung auch mal Kim Gloss, Das Bo, Wilson Gonzalez und Jutta Sundermann (eine extrem anstrengende Frau!) zusammen.
Zu jedem der Gäste gibt es einen kleinen Einspieler, der dem Zuschauer den Gast näher bringen soll. Hierbei werden die Leute nicht selten durch den Kakao gezogen oder als C-Promi betitelt. 
Zudem darf geraucht und gesoffen werden - ein Umstand der Farin Urlaub dazu bewegte, in einer der Sendung doch nicht aufzutreten. So saßen Bela B. und Rod schließlich ohne ihren Bandkumpanen am Tisch.
In der Mitte des Tisches sitzt der "Zensurknopf". Drückt man diesen, wird das Gesagte für die Fernsehzuschauer zensiert und nur die Leute im Studio können hören, was gesagt wird. Durch dieses Stilmittel wird dem Gast entlockt, was er eigentlich nicht sagen möchte. - Außer man heißt Sido, durchschaut die ganze Szenerie, drückt aus Protest dauerhaft auf den Knopf und nennt Böhmermann in den letzten Minuten der Sendung "geisteskrank" und sagt, er habe "eine richtige Macke." Noch nie war mir Sido so sympathisch wie nach 56 Minuten bei Roche & Böhmermann.

Deswegen auch an dieser Stelle meine bisherige Lieblings- und gleichzeitig auch Pilotfolge.

 
Die letzte Nacht habe ich damit verbracht, sämtliche Folgen von Roche & Böhmermann in der Mediathek des ZDFs zusammen zu suchen und anzuschauen. Erfreulicherweise ist die Sommerpause der Beiden seit gestern vorbei und es gibt nun wieder wöchentlich neuen Stoff.

Jetzt heißt es also jeden Sonntag um 22 Uhr Zdf.Kultur anschalten und sich berieseln lassen. 
Oder alternativ: Die ZDFMediathek anschalten und sich berieseln lassen. 
Die Gäste der nächsten Sendungen verheißen dabei auch einiges: Micaela Schäfer, Olli Schulz, Markus Kavka, Max Herre, Jennifer Weist, Ferris MC, Peter Berling u.a.

Montag, Oktober 17, 2011

Dinge die ich nie verstehen werde, Teil 6

Heute: Das Feuilleton, Teil 2

Schon einmal habe ich mich an dieser Stelle über die hiesige Feuilleton - Szene pikiert. Heute habe ich das dringende Bedürfnis mich aus gegebenem Anlass zu wiederholen.

Seit ein paar Tagen gibt es hier einen leicht säuerlichen Artikel im Feuilleton der FAZ zu lesen. Gegenstand des Artikels von Harun Maye ist die Literaturkritik diverser Videoblogger auf Youtube. Diese "Marzipanherzenmädchen" (sic) geben in ihren Videos ihre (natürlich immer gekaufte und / oder durch das Fernsehn manipulierte) Meinung zu diversen Jugendbüchern ab. Zeitung lesen besagte Mädchen ja ohnehin nicht. Sie sind zu sehr damit beschäftigt, nebenbei Videos über ihre Nagellacke zu drehen.
Der gute Herr Maye sieht sich durch diese Art der Literaturkritik anscheind höchstpersönlich auf den Schlips getreten, prangert er doch die Bücherauswahl der Youtuber als den "ganz normale(n) Bestsellerlistenschrott" an. Der renommierte Akademiker liest natürlich keine Bücher von Autoren wie Funke, Rowling oder Meyer.
Auch die Art, wie die Literaturkritik der Mädchen vorgetragen wird, passt dem Literatur- und Medienwissenschaftler gar nicht. Man spreche nur davon, ob ein Buch "flüßig zu lesen" sei. Skandal. Wo bleiben die Interpretationen zu Interpunktionen und Stilmitteln?

Meine Güte. Statt dass man sich freut, dass Jugendliche lesen, es auch noch cool finden und die Bücher sogar ihren Freunden/Abonnenten/whatever weiterempfehlen ist doch total großartig. Man mag von dem ganzen Twilight-Kram und Stephanie Meyer halten was man will. Aber sie hat junge Leute zum Lesen gebracht. Das ist doch schon mal was. 
Erst wird sich beschwert, die Jugend von heute lese nicht mehr genug und wenn sie es tut und es sogar in die Welt trägt, ist das auch nicht gut. Ich korrigiere: Es ist gut, dass sie lesen. Aber es ist nicht gut, dass sie es weitererzählen. Das solle man doch lieber den wirklichen Literaturkritikern überlassen, die Hypotaxen von Parataxen zu unterscheiden wissen und geistig täglich mit Archaismen schlafen.

Mein Lieblingsabschnitt im Artikel der FAZ ist übrigens der letzte Absatz, in dem der Wissenschaftler sein Wort quasi direkt an eins der Videobloggermädchen, Reni, richtet. Hauptsache Bret Easton Ellis wird noch schnell erwähnt. Es geht ja schließlich um junge Frauen, die neben Büchern auch Kosmetik und Klamotten konsumieren. Kein Ausgang. Den sehe ich in der elitären und hochgebildeten Welt des Feuilletons allerdings auch nicht mehr.

Um abschließend Reni zu zitieren: Es muss nicht immer Krieg und Frieden sein.

Sonntag, September 18, 2011

Wenn ich Lust dazu hab', scheiß ich die Nordsee zu.

Bis vor einer guten halben Stunde war ich noch fest davon überzeugt, dass irgendwelche zufälligen Begebenheiten die Fußball-WM 2006 in Deutschland haben stattfinden lassen. Nun aber weiß ich: Das Satiremagazin Titanic hat die WM erst in dieses Land gebracht!
Anno 2000. Der damalige Chefredakteur Martin Sonneborn schickt nachts zwei Bestechungsfaxe in ein Züricher Hotel, in dem Abgeordnete des Fifa-Komitees weilen um ihre Stimmen für das WM- Austragungsland 2006 abzugeben. Ein Bediensteter des Hotels schiebt die Faxe unter den Türen der Opfer durch. 
Sollten sich die Herren für Deutschland entscheiden, bekämen sie ein Geschenk in Form eines Präsentkorbs. Gefüllt mir guter Wurst und einer Kuckucksuhr. Und tatsächlich: Einer der Fifamitglieder (ein Neuseeländer) fühlt sich vom Bestechungsfax unter Druck gesetzt und enthält sich seiner Stimme. Zuvor wurde ihm von verschiedenen Stellen eingetrichert, dass er für Südafrika zu stimmen habe.
Dem DFB hat das alles gar nicht gefallen. Die Titanic wurde (mal wieder) verklagt und Sonneborn musste eine Unterlassungsklage abgeben, nach der er niemals wieder Einfluss auf Fifa-Deligierte nehmen dürfe.
Der Axel Springer Verlag sah in der Aktion einen direkten Angriff auf Franz Beckenbauer und forderte die Leser der Bild-Zeitung dazu auf, in der Redaktion der Titanic anzurufen und sich zu beschweren.
Die Anruferprotokolle kann man teilweise hier nachlesen.

Meine persönlichen Highlights:
"Ihr Lumpen!!!"
"Wegen euch haben wir die WM nicht gekriegt!"
"Ihr müsst bestraft werden wie ein Verbrecher! Wie ein Mörder!"

Ich muss sagen, dass ich mich lange nicht mehr so amüsiert habe. Die Titanic hat ja oft Reißer auf Lager, aber das toppt einfach alles. Ein "Bestechungsversuch" mit einer Kuckucksuhr. Großes Kino.
Danke Herr Sonneborn. Ohne Sie hätte ich 2006 nicht so viel Spaß gehabt.

Hier gibts die originale Titanic Ausgabe von August / 2000 mit allen Infos und gesammelten Zeitungsartikeln. Der Betrug ging um die ganze Welt! Und hier kann man einige Beschwerdenanrufe die in der Redaktion eingingen, anhören.


Die Ärzte - Grotesksong