Heute: Der unerquickte Regaleinräumer
Ich kann es ja besonders gut leiden, wenn ich fröhlich Regale einräume und neben mir Kunden stehen und dauerhaft suchende Geräusche von sich geben. Das geht dann ungefähr so: "Hm... schnalzgeräusche einfügen.. ach.. hmm.."
Statt dass einfach mal gefragt wird, wo das Gesuchte steht, wollen die Leute lieber angesprochen werden. Vermutlich weil sie Zuhause zu wenig Aufmerksamkeit bekommen und diese eben anders eingeholt werden muss. Es ist ja nicht so, dass ich durch die unrealistischen Zeitvorgaben von Seiten meiner Arbeitgeber schon genug unter Stress stände. Freundlich wie ich bin, frage ich aber dennoch, ob ich denn helfen könne. "Hmm. Jaaa.. Also irgendwie komme ich nicht zurecht. Haben Sie schon wieder umgeräumt?" (Es wurde seit Monaten übrigens nicht mehr umgeräumt). Leider Gottes war das gesuchte Produkt nicht mehr vorrätig und was sagt die gute Frau zu mir? "Das ist ja nicht sehr erquickend heute." Ahja. Ich muss zugeben, meine Seele erquickt dieser Laden leider auch schon lange nicht mehr. Wer erquickt werden will, soll in die Kirche gehen und nicht Kaffee kaufen.
Ab heute werde ich die Menschen in meinem Umfeld erziehen. Wer meint nur blöde Andeutungen machen zu müssen, wird gekonnt ignoriert und bekommt garantiert nicht das, was er möchte. Irgendwann wird sich das auf die ganze Welt niederschlagen und ich muss mich nicht mehr so viel aufregen. Mein Blutdruck wird es mir danken.
Aber vielleicht liegt es auch am Regaleinräumer selbst. Irgendwie ist man mit diesem Job in der Nahrungskette schon ganz unten angekommen. Die meisten Leute denken wirklich, man sei dämlich.
Da räume ich munter Reinigungsmittel ein, als eine Frau mich anspricht und fragt, wo das Nachfüllspray für solche Raumduftdinger stehe. Gar kein Probleeeem, da kenne ich mich aus. Die gute Frau ist aber nicht überzeugt, weil die Dinger nicht aussähen wie das Original (ob sie wohl verstanden hat, dass sie Nachfülldinger gesucht hat?). Da sagt sie doch tatsächlich:
"Können Sie mir jemanden holen, der Interesse hat, hier etwas zu verkaufen?" Ja klar. Ich habe ja nichts besseres zu tun als den Bimbo für eine garstige Idiotin zu spielen. Weil ich machmal viel zu freundlich bin, hole ich also eine Verkäuferin des Hauses und was gibt sie der Kundin? Natürlich das, was ich ihr vorher auch geben wollte. Das Resultat: "Ach, vielen Dank. Genau das wollte ich haben." Schade, dass meine Blicke nicht töten oder wenigstens sehr starke Schmerzen zufügen können.